7. April: Gdynia – Zoppot – Gdansk

Heute müssen wir nur wenige Kilometer mit dem Bus fahren. Zunächst steuern wir Gdynia (Gdingen) an, eine moderne Großstadt vom Bus aus gesehen, die im II. Weltkrieg stark zerstört wurde.

Nach einem kurzen Aufenthalt am Strand

geht es weiter nach Zopot, einem Ostseebad an der Danziger Bucht gelegen.

Danziger Bucht

In einer netten Geschäftsstraße finden wir ein nettes Cafe

Cafe mit angeschlossener Boutique

Nach der Stärkung unternehmen wir einen kurzen Spaziergang durchs Zentrum

Der Leuchtturm von Zopot
Grand Hotel

Auf dem Weg zur Seebrücke

Unser letztes Ziel am heutigen Tag ist Gdansk (Danzig). Wieder war die Zeit viel zu kurz. Besser wäre gewesen, wir wären gleich nach Zopot und Danzig gefahren, nun denn!

Zunächst machen wir einen kurzen Rundgang durch das Zentrum.

Danziger Hauptbahnhof
Auf dem Weg in die Altstadt – das mittlerweile obligatorische Riesenrad
Panorama mit Grünem Tor
Langgasse mit dem um 1556 erbauten Rechtstädtischen Rathaus
Marienkirche von außen…

 

… und von innen

Artushof in der Langgasse
Langgasse mit Neptunbrunnen und Zeughaus im Hintergrund

 

Goldenes Tor von der Altstadt aus gesehen

 

 

Blick über die Mottlau zum Krantor

 

Die Mariengasse – Impression

Am Krantor entfernen wir uns von der Reisegruppe, um auf eigene Faust die Stadt zu erkunden.

Am Abend gibt es einen werden wir von einem Trio unterhalten, das etwas speziell zusammengesetzt ist: Euphonium, Akkordeon und Geige.

6. April: Von der Marienburg nach Pommern zum Pałac w Leźnie

Heute verlassen wir nach dem Frühstück unser wunderbares Hotel in Lidzbark und fahren bei trübem Wetter Richtung Zamek Lalbork (Marienburg). Unterwegs gibt es einen Fotostopp in einem Storchendorf. Aber es scheint so, dass die Störche ob der Witterung nicht besonders froh sind.

Adebar auf der Wiese…
…und im Nest

Am späten Vormittag erreichen wir Marienburg.

Panoramabild vom Museum aus fotografiert

Leider lässt sich auch hier die Sonne nicht blicken.

Der Reiseführer, der uns hier empfängt, bringt uns in sachlicher Weise die Historie nahe und spricht dazu ein ausgezeichnetes Deutsch, sodass die circa zweistündige Führung durch die Burg wie im Fluge vergeht. Malbork ist das flächenmäßig größte Schloss der Welt. Dort sicherte sich der Deutsche Orden sein im Zuge der damaligen Ostexpansion neu erobertes Gebiet und errichtete die Burg zwischen 1270 und 1300, die von da an als Sitz der Hochmeister des Deutschritterordens diente. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde die Burg bis auf ihre gegenwärtige Fläche von 143.591 m² stetig erweitert.

Der große Remter im Mittelschloss
Denkmalgruppe der Hochmeister im Mittelschloss
Die Marienfigur

Die Schlossküche

 

Blick ins Mittelalter

 

Burgbrunnen im Hochschloss
Restaurierte Kanzel in der Marienkirche
Panorama der Burganlage von Westen über die Nogat

Weiter geht es zu unserem vorletzten Domizil: dem Pałac w Leźnie, einer aus dem 18. Jahrhundert stammenden Park- und Palastanlage.

Das Schloss

 

Der Palast wurde 1720 im Auftrag  des Grafen Jan Przebendowski erbaut. Später ging das Anwesen in den Besitz der Familie Hoene über bis 1945. Seit 20 Jahren gehört dieses Kleinod der Danziger Universität.

Das prächtige Treppenhaus

Wir haben das Glück im Schloss selbst ein Appartment beziehen zu können.

Der Frisiertisch im Wohnraum
Die gemütliche Sitzgruppe

 

 

 

 

 

 

 

Der Schlafraum

Die meisten Mitreisenden wurden in einem Nebengebäude untergebracht.

Das Hinterhaus

In dem im 19. Jahrhundert enstandene 5 Hektar großen Landschaftspark stehen über 100 Jahre alte Bäume.

 

 

 

 

 

Der Speisesaal

In dem kleinen Ort Leźno entdecken wir eine moderne Kirche.

5. April: ein Tag in der Natur Masurens

Leider geht es mir heute nicht besonders gut. Und einigen Mitreisenden auch nicht. Wir haben uns anscheinend den Magen verdorben oder einen Magen-Darm-Infekt – sehr unangenehm. Aber ich raffe mich auf und nehme an dem Ausflug teil.

Zunächst fahren wir in Richtung Johannisburger Heide (Puszcza Piska), einem 1000 km² großen Waldgebiet mit Mooren und Sümpfen. Hier erwarten uns meherere Planwagen, davor jeweils zwei Pferde gespannt. Auch ein Arkordeonspieler fehlt nicht.

und wieder einmal Störche

Nach einer Rundfahrt durch das Waldgebiet, geht es zum nächsten Event: einer Stakenbootfahrt.

Stakenbootfahrt

In der unberührten Natur finden sich einige wunderbare Fotomotive:

ein Biberbau
eine von der Natur gestaltete Skulptur

 

ein Schwan, der sich seiner Schönheit durchaus bewusst ist

Auf das Mittagessen und den Spaziergang verzichte ich auf Grund meiner angeschlagenen Gesundheit.

Unser nächstes Ziel ist das orthodoxe Philipponenkloster von Wojnowo.

Hier war das Rifugium russischer Altgläubiger, die aus Russland fliehen mussten, weil sie nicht bereit waren, den Zaren als obersten Kirchenherrn anzuerkennen. Friedrich Wilhelm III. gewährte ihnen Religionsfreiheit. Die letzte Nonne starb im Jahre 2007.

Die Kleidung der Philipponen
Der Ikonostas

Weiter fährt uns der Bus nach Mikołajki (Nikolaiken). Hier können wir eigenständig das Städtchen erkunden.

Marktpatz

Das Städtchen bekam seinen Namen nach dem heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron aller Fischer und Segler. Der Ort liegt am größten See Masurens, dem Spirding-See. Von der romantischen Szenerie, die der Reiseführer verspricht, bekommen wir bei dem trüben Wetter wenig mit. Und die Rundfahrt auf dem See erleben wir bei Wind und Regen.

Die Stadtbrücke
Blick auf Mikołajki vom Schiff aus

Am Abend werden wir während des Abendessens mit polnischer Folklore unterhalten. Leider habe ich den Fotoapparat nicht dabei.

4. April: von Heilige Linde zur Wolfsschanze

Heute Morgen können wir uns viel Zeit lassen und das wunderbare Hotel genießen. Bevor der Bus 9.45 Uhr abfährt, mache ich noch eine  Rundgang durch das Städtchen Lidzbark Warminski (Heilsberg), der ehemaligen Hauptstadt des Ermlands. Neben dem guterhaltenen Kastell des Ordensstaates

 

Neben der Marienburg das besterhaltene Kastell

ist das Hotel Krasicki ins Schloss integriert,

das Städtchen bietet ansonsten eine Stadtkirche

Blick vom Schloss auf die Kirche St. Peter und Paul
Das Rathaus
Hohes Tor

Auch hier begegnen wir Nikolaus Kopernikus, der seinen Onkel sieben Jahre als Leibarzt betreute. Heute verspricht ein schöner Tag zu werden. Nebel steigen aus den Feldern, bevor sich die Sonne zeigt.

Unsere erste Station ist Reszel (Rößel), wo wir zunächst eine im barocken Stil erbaute orthodoxe Kirche besichtigen. 

eine orthodoxe Kirche

Ebenfalls in Reszel befindet sich eine von den ermländischen Bischöfen im 14. Jahrhundert erbaute prächtige Ordensburg.

Die Ordensburg
und die Kirche

 

 

 

 

 

 

Weiter geht es zu einer gotischen Brücke mit Gefängnis, in der der Legende nach einem zum Tode Verurteilten Maria erschienen sei.

Die gotische Brücke
Das Fenster des Gefängnises

 

 

 

 

 

 

 

In derselben Nacht habe er das Bild der Madonna in Holz geschnitzt. Als die Richter am Morgen die Skulptur sahen, ließen die Richter den Sünder frei. Zum Dank befestigte er die Skulptur an einer Linde. Pilger aus ganz Polen wanderten von nun an zu dem Baum. Ende des 17. Jahrhunderts wurde im Zuge der Gegenreformation von den Jesuiten an der Stelle ein prächtiges Kloster mit Kirche erbaut.

Die Kirche in Heilige Linde

Wunderbar war das Orgelkonzert in der Kirche: Die Engel an der Orgel, die Putti spielten auf, alles drehte sich, blinkte und zwitscherte, dass es eine Freude war. Ein Rundgang durch die Klosteranlage schließt das Erlebnis ab. Hier ein paar Impressionen:

 

 

 

 

 

 

 

Im Anschluss aßen wir in der Gaststätte gegenüber: mein Mann Bygosz, ich Barszsz mit Ravioli. Anschließend fuhren wir weiter zur Wolfsschanze, einem von Wäldern und Seen umschlossener, der drei Jahre lang Hitlers Hauptquartier Ost war. Auch das fehlgeschlagene Attentat auf Hitler fand hier statt und die Offiziere und Claus Graf Schenk von Stauffenberg um ihn wurden in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Gedenkstein

 

Der Gästebunker
Führerbunker

 

 

 

 

 

Wir sahen eine Ruinenlandschaft mit von den Deutschen gesprengten Bunkern, die langsam von der Natur zurückerobert wird, wobei der Führerbunker mit seinen 10 Metern dicken Wänden am mächtigsten wirkt.

Auf dem Weg zum Hotel bewundern wir die Landschaft bei strahlendem Sonnenschein und mit wunderbarer Wolkenbildung

aus dem fahrenden Bus

Im Hotel angekommen, werden wir während des Abendessens mit einer Folkloredarbietung unterhalten. Und gegen 20 Uhr führt uns eine nette ermländische Historikerin durch das Kastell. Die Führung beginnt im Innenhof

 

 

 

 

 

 

Das Schloss am Abend

 

 

 

 

 

Führung durch das Hotel

Das Schwimmbad

Die Bodengestaltung, Kopernikus ist immer dabei
Die Bibliothek des Hotels
ebenso bei der Deckenbeleuchtung
Das letzte Bild des Abends

 

 

 

 

 

 

 

3. April: Vom Schlosshotel Palac Wąsowo über Torun zum Schlosshotel Krasicki in Lidzbark

 

Toruń an der Wisła

Heute heißt es erst einmal früh gegen 6 Uhr aufstehen, da wir zunächst eine längere Strecke mit dem Bus zurücklegen müssen. Uns erwartet ein reichhaltiges Frühstück. Nach einem kurzen Rundgang im Morgenlicht fahren wir gut gestärkt zunächst nach Toruń (deutsch Thorn). Unterwegs sehen wir die ersten Störche, auch Kraniche und Rehe stehen auf den Feldern, ganz wie in Mecklenburg-Vorpommern.

Unterwegs durchfahren wir Gniezno (Gnesen) – die Wiege des polnischen Staates. Die Stadt war schon im 10. Jahrhundert Regierungs- und Verwaltungszentrum des Staates der Polanen. Die Anfänge der die Stadt beherrschenden  Erzkathedrale von Gniezno reichen bis ins 9. Jahrhundert  zurück.

Die doppeltürmige Kathedrale von Gniezno

In Toruń am Rande der Altstadt angekommen, erwartet uns schon eine nette Reiseleiterin, die den Rundgang locker und amüsant gestaltet, nette kleine Geschichten erzählt, die ich mir leider nicht gemerkt habe.

Zunächst bewundern wir ausgiebig und von allen Seiten den schiefen Turm von Toruń. Er ist um 5°13’15“ oder 1,46 m vom Lot geneigt.

Der Schiefe Turm ist ein Element der mittelalterlichen Befestigungsanlagen von Thorn
Der schiefe Turm innerhalb der Stadtmauer

 

 

 

 

 

 

 

Eigentlich hätten wir uns länger Zeit lassen müssen, um diese 1997 auf die Welterbeliste der UNESCO gesetzte mittelalterliche Stadt kennenzulernen. So aber war es eine kurze Runde durch die Altstadt.

Stadttor

      Immer wieder etwas Besonderes ist es, wenn ein Fluss das Bild einer Stadt prägt.

Die Wisła (Weichsel)

Vom Stadttor aus wandern wir an wunderschönen Bürgerhäusern vorbei

palac dambskich

Richtung altstädtischer Markt, besichtigen die Johanniskirche, die mehreren Tausend Menschen Platz bietet und in der der größte Sohn der Stadt, der Astronom, Mathematiker, Administrator und Arzt, Nikolaus Kopernikus, getauft wurde.

Die Johanniskirche – Außenansicht
Die Johanniskirche – Innenansicht

 

 

 

 

 

 

 

Im Vordergrund steht sein Denkmal mit einer lateinischen Inschrift, was ins Deutsche übersetzt soviel heißt wie er habe „die Erde in Bewegung und die Sonne zum Stillstand gebracht“.

In der Kirche findet sich ein Epitaph des Nikolaus Kopernikus

Ausschnitt aus dem Kopernikus-Epitaph in der Kirche St. Johann

Weiter geht es zum altstädtischen Markt

Das Toruńer Rathaus, heute ein Museum
Der Artushof
Im Hintergrund die Türme der St. Marienkirche
Impression

In dieser Straße schwärmte die Reisegruppe aus, um die echten Toruńer Lebkuchen, Thorner Kathrinchen genannt, zu erstehen.

Dann heißt es schon wieder: Zurück zum Bus. Weiter geht die Reise Richtung Norden nach Olsztyn (Allenstein), der Hauptstadt der Provinz Ermland-Masuren, einem hübschen kleinen Städtchen.

Auch hier ist ihr berühmtester Stadtbewohner Nikolaus Kopernikus, der von seinem Onkel, dem Fürstbischof von Ermland, die Stelle des Burgverwalters erhielt. Durch einen kleinen Park, an einer Statue, die uns sehr an litauische Denkmäler erinnert, gelangen wir zur Burg.

Die Altstadt ist von einem grünen Gürtel umschlossen

 

Die Burganlage
Blick von der Stadt aus
Blick vom Markt aus

Hier hat die Reisegruppe einen Stopp bei einem Briefmarkenverkäufer eingelegt.

Die Jakobskathedrale

Weiter geht es nach Lidzbark (Heilsberg) in unser Hotel.

Unser Hotel Krasicki in der Vorburg des Kastells
unser tolles Hotelzimmer…
…und hochmodernes Bad

Am Abend lädt ein wunderbares Buffet mit allem was das Herz begehrt zum Verweilen ein. Am nächsten Tag soll es erst 9.45 Uhr losgehen. Wir können den Luxus des Hotels genießen.

 

 

 

2. April: von Prenzlau nach Richtung Torun

Pünktlich werden wir gegen Mittag am Karlsburger Bahnhof eingesammelt und von dem Zubringer-Kleinbus nach Prenzlau gefahren. Der Reisebus namens “de Kieler”, der uns die nächsten sieben Tage durch Polen fahren soll, steht schon am Bahnhof bereit und, obwohl wir das Angebot des Reiseunternehmens, Plätze zu reservieren, ausgeschlagen hatten, bekommen wir einen guten Platz im vorderen Teil des Busses. Bald darauf geht die Reise los mit einer Reisegesellschaft von ca. 40 Leuten.

In der ersten Pause können wir gleich das von unserem polnischer Fahrer Daniel vorbereitete Mittagszeremoniell genießen: zwei Campingtische werden aufgestellt, Kaffee, Brot, Gürkchen, Senf und Meerrettich für die heißen Würstchen darauf: Wiener oder Bockwurst. Nach einer halben Stunde geht es weiter. Gegen 5 Uhr sollen wir im Hotel sein, dem schönsten der beiden möglichen, wie der Fahrer sagt, dem Schlosshotel Palac Wąsowo.

Die Ankunft

Zur Historie des Schlosses, in kurzen Zügen skizziert:

Seit dem 14. Jahrhundert befand sich das Landgut in den Händen mehrerer adliger großpolnischer Familien. 1781 wurde das Anwesen von Sylwester Sczaniecki erworben.  Er erbaute in fünf Jahren in Wąsowo ein barock-klassizistisches Schloss – den Familiensitz des Adelsgeschlechts Sczanieckich.

Das von Sylwester Sczaniecki erbaute Schloss

Eine Sehenswürdigkeit ist auch die schöne Kapelle in Form einer Rotunde, die in den Jahren 1781-1786 in der Nähe vom Schloss erbaute wurde.

Die Kapelle von vorn
Die Kapelle von der Seite

 

 

 

 

 

 

Leider war sie nicht zu besichtigen.


Infolge historischer Umwälzungen verarmten die Sczanieckis. Das Landgut wurde im Jahre 1860 an den Berliner Kaufmann Richard von Hardt verkauft. Der neue Besitzer erbaute in den Jahren 1870-72 nach dem Projekt des Berliner Architekten Gustav Erdmann ein prächtiges Gebäude im neogotischen Stil. Nach dem Tod Richard von Hardts im Jahre 1898 ging das Anwesen an seinen Sohn Friedrich Wilhelm von Hardt (1855-1938) über. Kurz vor 1900 kam ein neu angebauter Flügel, ein repräsentativer Eingang und der umgebaute Turm hinzu, der vor ein paar Jahren abbrannte.

Die Vorderansicht des neogotischen Schlosses

Nach dem II. Weltkrieg wurden Haus und Gut Wąsowo verstaatlicht und das Gelände wurde als staatlicher Landwirtschaftsbetrieb genutzt. Seit 1995 befindet sich das Schloss in Privatbesitz und wurde zum Hotel ausgebaut.

Die Rückansicht des neogotischen Schlosses

Dreihundertjährige alte Eichen und Buchen stehen im weitläufigen Park. Auch ein See mit einer sich im Wasser spiegelnden Brücke fehlt nicht.

Unser Zimmer befindet sich unter dem Dach im 3. Stockwerk. Eine Treppe führt in einen weiteren Raum, der mit weiteren vier Betten bestückt ist. Wir hätten durchaus untervermieten können.

Zunächst werden wir hier von André, unserem Reiseleiter für die nächsten Tage, mit einem polnischen ziemlich starken Likör, Brot, Schmalz und polnischer Wurst begrüßt.

Der kleine Empfang zur Begrüßung

Um 18.30 Uhr nehmen wir unser erstes polnisches Drei-Gänge-Menü ein. Das Abendessen findet in einem großen Raum mit langen Tafeln statt.

Vor dem Abendessen

Erster Gang: Hühnerbrühe mit Nudeleinlage; Zweiter Gang: Serviettenknödel, Brokkoli, Schweinebraten; Dessert

Bei einem Rundgang um das Schloss kann man wunderbare Details entdecken:

Eine der alten Eichen
ein Grillplatz?
ein nettes Detail an einem der Giebel
Pavillon zwischen hohen Bäumen

Schöne Details im Schloss:

Schreitet man die Stufen zur Belle Etage hinauf, könnte man im Vorbeigehen ein paar Takte auf einem Flügel intonieren…
oder am Kamin träumen…
oder eine Runde Billard spielen

 

 

 

Mit dem Rade unterwegs

In den Monaten August und September 1899 war der Bau der Pittlerwerke in Wahren soweit fortgeschritten, dass mit dem Umzug von Gohlis nach Wahren begonnen werden konnte. Da die elektrische Straßenbahn nur bis Möckern fuhr, war Franz nun gezwungen von Gohlis bis zum Werk in Wahren den Weg zu Fuß zurückzulegen, sodass er sich auf den Rat des Direktors Voigtländer entschloss, ein Fahrrad Marke „Riesenfeld“ München zu kaufen. Diese Firma hatte von Pittler Maschinen gekauft und dafür die Fahrräder in Zahlung gegeben. Auf dem Fahrweg von Gohlis zur Leibnitzstraße im Rosenthal hat Franz dann unter Mithilfe seines Zeichners nach Feierabend fleißig geübt, sodass er nach 3 oder 4 Tagen einigermaßen Radfahren konnte und die 2 ½ km lange Strecke von der Endstation der Straßenbahn bis zum Werk nicht mehr zu Fuß zurücklegen musste. Bei der ersten Fahrt mit dem Rade nach Wahren zwischen der Endstation und dem Viadukt überholte ihn der Direktor Huhn mit seinem englischen Auto und rief ihm zu: „Herr Himbergen, immer feste durchtreten und gerade voraus schauen!“ Franz kam aber ohne Unfall ins Werk in der Mühlenstraße (heute Pittlerstraße). Das Fahrrad war aber noch ohne Freilauf, sodass er die ganze Strecke unentwegt radeln musste. Und bremsen konnte er nur, indem er die Handbremse am Vorderrad bedienen und gleichzeitig die Pedale zurückdrücken musste.

Durch das Hin- und Herfahren früh, mittags und abends von der Wohnung zur Fabrik konnte Franz bald größere Touren mit dem Rad zurücklegen ohne zu ermüden. Er fuhr auch freitags abends zu den Sitzungen der TVL von Wahren nach Leipzig in Schießens Restaurant in der Kramerstraße hin und zurück auch oft nachts nach 1 Uhr, wenn sie später nach Hause gingen.

Die Radtouren mit fotos-vom-grossvater-4seinem Freund Karl Rosenthal und auch die Touren der neu gegründeten Radfahrerabteilung der TVL wurden häufiger. Sie hatten sich alle, ca. 10 Mann, Radfahrer-Anzüge aus braunkariertem Stoff mit entsprechenden Mützen anfertigen lassen und machten sonntags Touren nach Merseburg, Zwenkau, Döllnitz, Eilenburg, Grimma usw.

Im Sommer 1901 fuhr Franz noch einmal mit seinem Freund Volt mit der Sonntagskarte nach Bad Kösen in Thüringen und von hier mit dem Rade weiter über Eckartsberga, um das Bismarck-Denkmal bei Apolda zu besuchen, vorbei nach Umpferstedt und über Mellingen, Hetschburg bis Berka an der Ilm, wo sie für ihre Frauen und die Kinder eine Sommerfrische aussuchen wollten. Sie fanden auch ein passendes Haus und mieteten auf drei bis vier Wochen zwei Zimmer in der Mitte des Städtchens. Die Hinfahrt mit dem Rade war ganz gut gegangen, aber auf der Rückfahrt von Berka nach Bad Kösen lief es nicht so gut. Durch seinen Sturz mit dem Rade ohne Freilauf am Kyffhäuser einige Wochen zuvor war er auf den steil abfallenden Straßen ängstlich geworden, sodass er bei stärkerem Gefälle lieber abstieg und das Rad führte. Volt dagegen handhabte es umgekehrt, bei den starken Steigungen zwischen Eckartsberga und Bad Kösen schob er lieber, um seine Kräfte zu schonen. Dadurch kamen sie nur langsam vorwärts, aber doch noch zu dem Zuge zurecht.

An einem Sonntag wollte Franz mit dem Rade mit dem Vereinsbruder Max Otto zum Brocken fahren. Sie nahmen sich eine Sonntagskarte nach Berga-Kelbra zum Kyffhäuser und fuhren zusammen vom Magdeburger Bahnhof ab über Halle-Eisleben, Sangerhausen bis Berga und von hier aus mit dem Rade über Rottleberode und Stolberg bei stellenweise starken Steigungen bis Stiege, von wo aus die Straße glatt weiterging. In Hasselfelde war die Straße dann ziemlich eben und sie sahen schon den 1142 Meter hohen Brocken vom weitem, da erklärte ihm Otto, dass er genug hätte und vorschlug, gleich umzukehren, da er die noch zurückzulegenden 35 bis 40 km lange Strecke bis zum hohen Brocken doch nicht schaffen würde, er hatte schon von der zurückgelegten Strecke (35 km) genug. Da Franz denselben Weg nicht zurück wollte, fuhren sie weiter über Trautenstein, Benneckenstein, Zorge und Ellrich immer bergab bis Nordhausen, wo sie sich etwas ausruhten, um dann über Heringen in der Aue und Unleben nach Berga zurück zu kommen und mit dem nächsten Zug nach Leipzig zurückzufahren. Es war schade, denn Franz hätte gern den Brocken erreicht. Er hatte aber später die Gelegenheit mit dem Rade hinauf zu kommen.

Franz und sein Freund Rosenthal, der bei der Firma F. A. Brockhaus als Reparaturschlossermeister für die Druckmaschinen usw. beschäftigt war, hatten wohl beide die größte Ausdauer beim Radfahren. Am Anfang der Fahrt war Franz immer einer der letzten, wenn sie in größerer Zahl früh morgens aus der Stadt fuhren, aber nach den ersten 30 km war er schon an der Spitze und behielt diese bis zuletzt.

Bald jeden Samstagnachmittag fuhr er zuerst von Wahren und später dann auch von Gohlis zur Querstraße in Leipzig, wo die Firma Brockhaus ihre Druckereien hatte, um mit Rosenthal die nächste Sonntagstour zu besprechen. Sie trafen sich dann gegen 6 Uhr am Blücherplatz oder am Eingang des Radfahrweges im Albert-Park, um dann gegen 1 Uhr mittags wieder zu Hause zu sein. Es war für Franz eine schöne Zeit, mit dem Rade so oft unterwegs zu sein. Dabei hat er die weitere Umgebung von Leipzig kennengelernt, von Halle bis Grimma, von Bitterfeld und Düben bis Borna, von Naumburg bis Eilenburg und von Merseburg bis Oschatz. Wenn es nach Westen in Richtung Merseburg oder Naumburg gehen sollte, dann fuhr er früh zur Wohnung seines Freundes in der Uhlandstraße in Lindenau vorbei, um ihn abzuholen. Ihre Frauen waren damit einverstanden, dass sie sonntags vormittags eine Radtour unternahmen, denn sie hatten derweil in der Wohnung zu tun und zu kochen. Sie richteten es auch immer so sein, dass sie zu Mittag um 1 Uhr wieder zu Hause waren. Nur zu den großen Feiertagen wie Ostern oder Pfingsten fuhren sie nicht  gemeinsam Rad.

Die größte Tour war wohl die, die er an einem Sonntag mit seinem Freund Carl Rosenthal unternommen hat, von Leipzig über Lützen, Weißenfels  und von da auf Umwegen durch Tal, Berg und viel Wald nach Freiburg an der Unstrut und weiter über Nebra, Wiehe, Reinsdorf nach Artern. Sie fuhren dann, nachdem sie sich etwas ausgeruht hatten, noch 20 km weiter über Frankenhausen zur Barbarossahöhle ins Kyffhäusergebiet, die sie besichtigt haben, um später über Artern, Ziegelroda, Schufstädt, Merseburg zurückzufahren. Gegen ½ 10 Uhr abends kehrten sie im Herzog Christian ein und kamen erst gegen Mitternacht in Leipzig wieder an nach einer Tour von ungefähr 225 km, die längste Tour, die er an einem Tage gemacht habe, was ihm aber trotzdem gut bekommen ist.

1903 weilte Franz mit Elsa und den Kindern zur Sommerfrische in Kohren. Nachdem sein Urlaub vorbei war, besuchte er seine Familie an den Wochenenden mit dem Rade. Er fuhr am sonntags früh über Borna und Frohburg nach Kohren ca. 50 km, um die Frauen und die Kinder zu besuchen. Da er gegen 9 Uhr früh schon dort war, konnten sie gut den Tag miteinander verbringen und ein Stück nach Sahlis spazieren gehen. Nachdem er sich überzeugt hatte, dass es seiner Familie gut ging, fuhr er am Spätnachmittag mit dem Rade wieder nach Hause zurück, hatte aber kurz vor Leipzig gegen 10 Uhr abends eine Panne. Der Schlauch war undicht geworden und er war gezwungen, im Gasthof Napoleonstein beim Südfriedhof einzukehren und den Schlauch zu flicken, sodass er erst gegen Mitternacht nach Wahren kam.

Zum Geschäft fuhr Franz nun wieder täglich nach Wahren zur Fabrik mit dem Rade und dabei passierte es auch, dass er unter Mittag in der Kirschbergstraße in Möckern in den Schienen der roten Elektrischen  hängen blieb und in hohem Bogen über die Lenkstange hinweg flog, glücklicherweise ohne erheblichen Schaden davonzutragen.

1906 fuhr Franz allein mit dem Rade über Zwenkau, Droyßig und Eisenberg nach dem 70 km entfernten Klosterlausitz, um im Café „Hohenzollern“ für die Ferien für drei Wochen ein Zimmer zu mieten. Dort hat Franz dann größere Touren nach Stadtroda und Hummelshain, nach Eisenberg, Krossen a. d. Elster bis Altenburg unternommen, während Elsa sich mit den beiden Kindern erholte. Nachdem sein Urlaub vorbei und er mit dem Rade wieder zu Hause in Gohlis gelandet war, ist er wohl noch zwei Mal nach Klosterlausnitz gefahren während der Sonntage, um Elsa und die Kinder zu besuchen (70 km). Die Fahrt ging immer über Konnewitz, Zwenkau, Pegau, Zeitz, Eisenberg und zurück über Meineweh.

Im Jahre 1905 fuhren Franz und sein Freund Ruppert mit der Bahn bis Burgstädt im Chemnitztal, um mit dem Rade über Chemnitz, Zschopau, Marienburg nach Zöblitz im Erzgebirge zu fahren und dort für die Ferien auf dem Gutshof zur Kniebuche ein Zimmer zu buchen. Während Ruppert das Zimmer für die Monate Juni/Juli 1905 mietete, bestellte Franz das gleiche Zimmer für Juli/August 1905, da seine Familie wegen Lotte, die mittlerweile in die Schule ging, die Ferien nicht früher nehmen konnte. Franz nahm das Rad mit, um das Erzgebirge zu erkunden. So fuhr er bis nach Böhmen über Annaberg, Weißenthin auf den 1204 Meter hohen Fichtelberg und in Böhmen dann auf den 1244 Meter hohen Keilberg hinauf und wieder zurück über Weiperz nach Zöblitz. Er besuchte auch auch den Grenzort Reitzenhain und in entgegengesetzter Richtung Olbernhau und Rübenau im Erzgebirge. Bei diesen Radtouren besaß er schon sein neues Opelrad mit der von Ditzemann eingebauten Morrow-Freilaufnabe, die innen nur mit einem einfachen Nagel zusammengehalten wurde, was dazu führte, dass sie mehrere Male versagte, sodass er die Nabe auseinandernehmen und die Teile mit dem Nagel wieder zusammenbringen bringen musste. Bis zum Jahre 1936, ist er mit dem Opelrad gefahren und hat damit große Touren unternommen.

Im Jahre 1911 beschlossen Elsa und Franz mit Klettes zusammen in die Sommerfrische zu gehen und so fuhren sie, Klette und Franz, mit dem Rade nach Wippra im Unterharz, um eine Sommerfrische zu suchen. Er startete frühmorgens an einem Sonntag des Jahres 1911 von Merseburg aus, um Klette in Halle an der Saale abzuholen. Und so fuhren sie bei schönem Wetter von Halle durch die Mansfelder Straße und die Eislebener Straße an der Nietlebener Irrenanstalt vorbei rechts ab, nach Düben, Salzmünde, Gorsleben, Naundorf, Schwittersdorf, Polleben, Kloster-Mansfeld, Leimbach und dann der Wipper entlang an Rummelburg vorbei bis Wippra, wo sie im Gasthof einkehrten und 2 Zimmer für 4 Wochen mieteten. Nachdem sie sich gut gestärkt hatten, fuhren sie dann über Grillenberg bergab nach Sangerhausen und von hier der Halleschen Hauptstraße entlang über Blankheim, Eisleben am Sülzer See und Seeburg zurück. Es waren 70 km hin und zurück 120 gewesen. 14 Tage später fuhren sie dann zusammen mit der Bahn von Merseburg bzw. Halle mit Frau und Kindern nach Sangerhausen und von hier mit der Post über Grillenberg nach Wippra. Da ihre Ferien jedoch nicht zusammenfielen, fuhr er wieder zurück nach Merseburg, um 14 Tage später mit dem Rade wieder zu kommen. Am Sonntag dazwischen war er schon um 9 Uhr früh bei der Familie. Von Merseburg wählte er den kürzesten Weg über Lauchstädt, Schafstädt, Querfurt, Allstedt, Sangerhausen, Grillenberg mit 73 km. Von Wippra aus hat er auch mehrere Touren durch den Harz gemacht, wie nach Harzgerode, Rübeland und zu den Grotten, auch auf dem 1142 Meter hohen Brocken ist er gewesen (70 km), wobei er über Harzgerode, Hasselfelde bis Schierke mit dem Rade und von Schierke mit der Brockenbahn hoch gefahren, zurück über die steile Serpentinenstraße aber mit Freilauf hinunter gefahren ist, wobei die Hinternabe so heiß geworden ist, dass der Ölpfropfen abgeschmolzen war. Nach 3 Wochen ging es dann zurück nach Merseburg, wobei er auf der Rückfahrt mit dem Rade den heißesten Tag des Jahres auszustehen hatte und unterwegs mehrmals etwas zu trinken nehmen musste. Trotzdem hielt er bis Merseburg aus.

Im Jahre 1914 beschlossen Franz und Elsa, die Ferien in Oberschönau zu verbringen, und so fuhr er im Monat Juni 1914 mit dem Rade von Bad Kösen, bis dahin hatte er eine Sonntagsfahrkarte gelöst, über Eckersberga am Bismarck-Denkmal bei Apolda vorbei, geradeaus nach Bad Berka und Kranichfeld und von hier rechts ab nach Arnstadt, weiter über Krähwinkel steil hinauf nach Oberhof, 815 Meter hoch gelegen, und dann abwärts durch den schönen Kanzlergrund nach Oberschönau, wo er bei Frau Neuß ein Zimmer mit 3 Betten mietete. Nachdem er dann gut zu Mittag gegessen hatte, fuhr er zurück nach Zella-Mehlis (156 km von Merseburg), um von dort bis Bad Kösen eine Eisenbahnkarte zu lösen im Anschluss an seine Sonntagskarte. Gegen 11 Uhr abends traf er dann glücklich in Merseburg wieder ein. Die eigentlichen Ferien verbrachte er dann mit Elsa und seinen drei Kindern ohne sein geliebtes Rad.

Freitags fuhr er auch oft mit dem Rade nach Leipzig zu den Sitzungen der TVL, die damals im Italienischen Garten oder im Restaurant Schicher am Königsplatz in der Kramerstraße stattfanden. Da ist er oft nach 1 Uhr früh mit dem Rade zurückgefahren, wobei ihm die vielen Bauernwagen mit Gemüse usw., die sonnabends zur Markthalle fuhren, auf der einsamen Straße entgegenkamen. Da hieß es immer gut aufpassen und scharf rechts fahren, denn oft schliefen die Kutscher auf dem Bock. Er ist aber immer gut vorbeigekommen. Der Autoverkehr war damalsallerdings noch nicht so stark wie später nach dem Weltkrieg.

Ab 1926 arbeitete Franz wieder bei den Pittlerwerken nach Leipzig und fuhr täglich mit dem Rade von der Schützenstraße am Bahnhof vorbei – bei schönem Wetter durch das Rosenthal den Scherbelberg und den Marienweg entlang nach Möckern und von hier durch die Hallesche oder Fuchs-Nordhoff-Straße zur Fabrik. Es waren 6 bis 7 km, die er in 30 Minuten schaffte. Oder er fuhr auch durchs Rosenthal über den Schützenhof auf dem Radfahrweg, der durch die Göttge, am Wilden Mann und am Leutzscher Bahnhof  vorbei durch die Burgaue und die Rittergutsstraße nach Wahren führt. Die Fahrt dauerte 5 bis 10 Minuten länger, dafür konnte er durch den Wald fahren. Nur bei schlechtem Wetter nahm er den direkten Weg vom Bahnhof durch die Bahnhofstraße, die Eutritzscher und die Hallesche Straße nach Wahren, wobei er sich im Winter bei nasser oder vereister Straße sehr vorsehen musste, um nicht auszurutschen, denn es ist ihm einmal in der Eutritzscher Straße passiert, dass er durch die Gleise der Straßenbahn und das Kopfpflaster ausgerutscht ist, glücklicherweise ohne Schaden genommen zu haben.

Im Jahre 1928 beschloss Franz mit Herrn Lindner eine Radtour nach Paris zu unternehmen. Um die Ferien möglichst auszunutzen, beschlossen sie, die Osterfeiertage dazu zu nehmen, sodass sie am Karfreitag früh abfahren konnten. Zu diesem Zweck hatte Franz vorher ihre Radtour in einem Taschenbuch kartographisch genau aufgezeichnet, um eine Irrfahrt mit dem Rade auszuschließen. Dabei nahm er die Generalstabskarte des Deutschen Reiches 1:100000 und die ihm zur Verfügung stehenden Städtepläne von Weißenfels, Naumburg, Weimar, Erfurt, Gotha, Eisenach, Fulda, Darmstadt, Metz, Reims, Paris, Brüssel Löwen, Lüttich, Aachen, Köln, Kassel, Nordhausen, Halle mit Einzeichnung der Nebenwege, um abzukürzen, unter Angabe der Steigungen, Wälder, Flüsse usw.

Sie trafen sich also früh gegen 4 Uhr in Schönau, Lindner von Wahren kommend und Franz von der Schützenstraße 17 und fuhren gleich weiter, bei etwas Gegenwind über Markranstädt, Quesitz, am Gustav Adolf Denkmal vor Lützen vorbei und durch die Stadt Lützen weiter, dann über Röcken, Görsten und Weißenfels bergauf über die Bahnstrecke Weißenfels-Zeitz, dann von der schönen Aussicht auf der Höhe weiter und bergab nach Plennschütz, um nach Wethau wieder hinauf zu fahren. Hinter der Bahnkreuzung Teuchern-Naumburg ging es dann bald bergab Richtung Naumburg an der Saale, welche sie südlich umfuhren, um auf dem schönen Radweg und der guten Straße über Altenburg und Schulpforta, dem 1137 erbauten Kloster, welches die Schul- und Erziehungsanstalt „Fürstenschule“ beherbergt, über die Saalebrücke, wo ein Brückengeld von 2 Pf. noch erhoben wurde, nach Bad Kösen zu gelangen. Hinter dem Bahnhof Bad Kösen ging es dann an der Saale entlang an der bekannten Sommerfrische „Die Katze“ vorbei über die Eisenbahngleise Halle-Erfurt über Lengefeld an der Eisenbahn entlang, an den bekannten Ruinen der Rudelsburg und der Saaleck rechts vorbei, dann über eine bergige Straße und die Überbrückung der Saale bergab vor der Eisenbahnbrücke Naumburg-Jena abzusteigen und einige Brote und einen Schluck Kaffee aus der Thermosflasche im Freien einzunehmen. Die ersten 63 bis 65 km hatten sie bei schönem Wetter zurückgelegt. Nach 20 Minuten ging es weiter über die Saalebrücke bei Großheringen und rechts an dem Bahnhof Großheringen vorbei an der Bahn entlang am Rande von Bad Sulza entlang durch einen Park hindurch, um hinter dem Park weiter über Darnstedt zu fahren. Weitere Ortsdurchfahrten waren Niedertrebra, Obertrebra, Flurstedt nach Apolda, um bergan nach Nieder-Roßla auf der Hauptchaussee Bad Kösen-Weimar zu gelangen. Dann führen Sie über Rödigsdorf weiter nach Schwabsdorf, wo eine Tante von Frau Henkel wohnte, die sie auch besucht haben. Sie wurden zum Frühstück eingeladen, bekamen gutes Brot mit Butter, Wurst und einem Glas Milch, sodass sie gesättigt nach 1 ½ Stunde weiter fahren konnten, denn es war inzwischen 1 Uhr mittags geworden und sie wollten eigentlich noch bis Gotha kommen.

Nach herzlichem Abschied von Tante und Onkel fuhren sie auf der Hauptchaussee, die Napoleon I. früher hatte anlegen lassen, weiter über Umpferstedt und an dem Webichtwald links vorbei hinab nach Weimar am Unteren Graben und am Graben um die Innenstadt herum und am Nationaltheater rechts vorbei, die Erfurter Straße hinauf am Berkaer Bahnhof vorbei, geradeaus über Nohra, Mönchenholzhausen und durch Neuschmidstädt bergab nach Erfurt. Die Innenstadt ließen sie rechts liegen, überfuhren die Gera und schoben die Räder die Gothaer Straße entlang bis Schmira. Dann ging es auf ebener Straße weiter über die Wasserscheide der Elbe und Werra und durch die Dörfer Frienstedt und Gamstädt bis Tüttleben, wo sie sich entschlossen zu übernachten. Sie hatten ca. 133 km zurückgelegt und wollten sich nicht überanstrengen.

Franz ging in den scheinbar größten Gasthof, um ein Zimmer für die Nacht zu bestellen und traf im Flur den ziemlich robusten Gastwirt, der auf seine Frage, ob sie ein Zimmer bekommen könnten, zuerst dieselbe bejahte. Als er aber weiter fragte, ob sie früh um 4 Uhr weiterfahren könnten, wurde er wild und ziemlich grob und schrie, das ginge nicht, so früh ständen sie nicht auf, denn sie gingen spät ins Bett. Er musste also wieder abziehen und ging zu seinem Freund Lindner zurück, der draußen solange gewartet hatte, um ihm über die Unverschämtheit des Wirtes zu berichten. Sie schoben mit den Rädern etwas weiter bis zu einem kleineren Gasthof direkt an der Straße, wo sie die Wirtin freundlicher aufnahm. Aus Vorsicht frug er gleich, ob sie um 6 Uhr früh weiterfahren könnten, was die Wirtin bejahte, da sie wegen der Landwirtschaft sowieso früh aufstehen mussten. Nachdem sie zu Abend gegessen und getrunken hatten, legten sie sich zeitig zu Bett und haben dort sehr gut geschlafen. Am anderen Tag, es war Sonnabend, fuhren sie kurz nach 6 Uhr früh Richtung Westen weiter über Liebleben hinab nach Gotha, welche sie umfuhren, um durch die steigende Eisenacher Straße wieder hinaus zu fahren. Über die freundliche Warte und Trügleben, das von weitem zu sehende Aspach und Teutleben fuhren sie der Hörsel entlang weiter nach Mechterstädt, wo sie die Eisenbahnstrecke nach Eisenach überquerten, um über Sattelstädt, Kalberfeld, Schönau, Wutha und Fischbach nach Eisenach zu gelangen.

Dort  telefonierte Franz mit seinen Töchtern, die Lotte und Alice, die zufällig in Eisenach bei einem Zusammentreffen der Neuländerinnen waren, um sich mit ihnen in einem Restautarionsgarten zu treffen. Nach einer Viertelstunde waren sie auch da und so war es bei dem schönen Wetter ein schönes Beisammensein. Um die Mittagszeit führen  sie wieder weiter durch die Innenstadt und die Kasseler Straße hinaus bis zum Dorfe Stedtfeld, wo sie in einem Gasthaus einkehrten. Es war inzwischen sehr warm geworden, sodass die Kehle ausgetrocknet war. Sie tranken Milch, wodurch der Durst gerade nicht gelöscht wurde. Es ging aber bald weiter über Hörschel und dann die Werra aufwärts über Neuenhof, Göringen an der Ruine Brandenburg vorbei, Lauchröden, Sallmannshausen, Neustädt a. d. Werra Gerstungen, Untersuhl, Berka, Dippach, Leimbach bei Heringen und Wölfershausen an der Werra (97 km von Leipzig), wo sich  der Durst zurückmeldete, sodass sie nochmals einkehren mussten, um wieder Milch zu trinken, denn Bier wollten sie möglichst vermeiden. Unterwegs hatte Franz seine Profilkarte von Mittelbach, Sektion Erfurt, zwischen Sollmannshausen und Neustädt verloren, sodass er etwas zurückgefahren ist, um die Karte zu suchen, leider ohne Erfolg, wodurch er doch sehr missgestimmt war. Plötzlich war ihm die Lust weiter zu fahren, vergangen, ohne jedoch müde zu sein. Franz teilte sein Befinden auch Lindner mit, der merkwürdigerweise nicht viel widersprach. Sie fuhren also zurück wie sie gekommen waren an der Ruine Brandenburg wieder vorbei nach Eisenach, wo sie den Abendzug nach Leipzig noch rechtzeitig erreichten. In Leipzig angekommen, fuhr er gleich nach Hause zur Überraschung von Helene, die mit einer so schnellen Rückkehr nicht gerechnet hatte.

1928 holte er die Reise nach Paris nach, dieses Mal allerdings ohne Kompagnon.

1929 wollte Franz mit dem Rade nach England fahren um seine Cousine in Market Rasen und auf dem Weg dorthin seine Tochter Alice in Hermannrode zu besuchen. Auch zu dieser Tour mit dem Rade nach England hatte er ein Taschenbuch mit Landkarten gezeichnet über Merseburg, Alstedt, Nordhausen, Hermannrode, Hann. Gmünden, Kassel, Warburg, Paderborn, Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg, Crefeld, Viersen, Roermond, Brée, Bunry-Leopold, Gheel, Lier, Mecheln, Brüssel, wo er seine Schwester besuchen wollte. Von hier sollte es weiter über Alert, Gent, Brügge bis Ostende gehen und mit dem Dampfer nach Dover, um dann durch England mit dem Rade weiter zu fahren über Canterbury nach London und weiter über Cambrigde, Peterborough und Lincoln nach Market-Rasen zu seinem Cousin John und von hier nach Crowle zum anderen Cousin Vincent Booth. Die Rückfahrt wollte er mit dem Rade von Crowle nach Grimsby nehmen, um von hier mit dem Dampfer nach Antwerpen zu fahren und dann, wenn nichts dazwischenkam, ebenfalls zurück mit dem Rade über die bekannten Strecken. Leider hatte er nicht mit schlechten Wetter gerechnet, sodass die ganze Arbeit bald umsonst war. Trotzdem hat ihm das Aufzeichnen der voraussichtlich zu fahrenden Strecke in den Abendstunden viel Spaß gemacht.

Während der Ferien 1929 setzte sich Franz aufs Rad und fuhr an einem Sonnabend früh über Lindenau, der Merseburger Straße entlang bis kurz vor Rückmarsdorf, wo er feststellen musste, dass er seinen holländischen Pass vergessen hatte und umkehren musste, um den Pass zu holen. Es war ein schlechtes Omen für die Reise, denn dadurch ging ihm mindestens eine Stunde verloren. Er fuhr also nochmals los, und jetzt ging es weiter über Zöschen, Wallendorf durch Merseburg hindurch nach Bad Lauchstädt zu und dann weiter über Schafstädt, Querfurt, wo es dann bergauf ging nach Lodersleben durch den Allstedter Wald und dann ziemlich steil herab nach Allstedt, wo er sich ausgeruht, gut zu Mittag gegessen und getrunken hat. Nach 1 ½ Stunden ging es weiter über Oberröblingen, und dann Sangerhausen rechts lassend, zur Hauptstraße Halle-Nordhausen, wo er von Wallhausen wieder auf die Hauptstraße kam. Dann ging es teilweise ziemlich steigend und fallend über Roßla, Berga, Görsbach, Urbach bis Bielen, wo er im Gasthof ohne Erfolg nach einem Nachtquartier fragte. Er fuhr also weiter bis Nordhausen. Hier bekam er eine Unterkunft und ein gutes Abendbrot. Da es in der Nacht geregnet hatte und die Wege durchweicht waren, fuhr er am nächsten Sonntag mit der Bahn vom Bahnhof Nordhausen weiter bis Eichenberg, um seine Tochter Alice in Hermannrode im Pfarrhaus zu besuchen. Bis Nordhausen hatte er 72 km per Rad zurückgelegt plus die anfänglich zurückgelegten 7 km bis Rückmarsdorf und zurück. Er setzte sich also wieder aufs Rad, um über Berge und Neuenrode nach dem 6 ½ km noch entfernten Hermannrode zu gelangen, wo er leider bei strömenden Regen und einem schweren Gewitter ankam. Vom Herrn Pfarrer und seiner Frau wurde er sehr freundlich empfangen und zum Mittagessen eingeladen. Währenddessen tobte das Gewitter draußen weiter. Alice schien es dort sehr gut zu haben, hatte aber den ganzen Tag über als sogenannte Haustochter sehr viel zu tun. Nachdem sich das Gewitter verzogen hatte, fuhr er mit dem Rade durch aufgeweichte Straßen zurück nach Eichenberg, um mit der Bahn nach Leipzig zurück zu fahren, denn es hatte keinen Zweck, eine Radtour bei solch schlechten Wetter nach England zu unternehmen.

1931 arbeitete seine Tochter Alice als Kindergärtnerin und Hortnerin nach Steinberghaff in Schleswig-Holstein in ein Kindererholungsheim. Im Monat Juli 1931 beschloss Franz während der Ferien Alice in Steinberghaff mit dem Rade zu besuchen in Verbindung mit dem Besuch des Städtchens Himbergen in der Lüneburger Heide, das wie sein Name im Atlas verzeichnet ist. Am 27. Juli fuhr er also von der Schützenstraße ab, um über Gohlis durch die Lindenthaler Straße und über Lindenthal, Radefeld, Zwochau, Kölsa nach Landsberg zu gelangen und nach Kreuzung der Chaussee Berlin-Halle weiter über Spören durch die kleine Stadt Zörbig zu fahren. Zwischen Zörbig und Radegast war es eine ödere Strecke, wo die Chausseebäume jedenfalls durch die Gase der links rauchenden Schornsteine wie abgestorben ausahen. Es ging der Kleinbahn entlang weiter über Prosigk und Köthen, durch die Stadt Köthen und weiter auf der Straße nach Bernburg bis Kleinpaschleben, wo er rechts abbog, um nach Nienburg an der Saale zu gelangen. Die Stadt ließ er links liegen und fuhr am rechten Ufer der Saale über Wedlitz und dann die Saale überbrückend nach Calbe hinein und über Kleinmühlingen nach Bad Salzelmen ca. 93 km von Leipzig. Hier stieg er vom Rade ab und bekam an einem Verkaufsstand etwas zu essen und trank auch eine Limonade, bevor er nach Frohse und weiter über Westerhüsen, Fermersleben nach Buckau weiterfuhr. In der Stadt Magdeburg fuhr er durch die Seydlitzstraße, die Sternstraße und den Breiten Weg immer der Straßenbahn entlang über den Kaiser-Wilhelm-Platz und weiter durch Magdeburg-Neustadt. Er fuhr 118 km durch bis Barleben, wo er in einem Gartenlokal ein wenig versuchte, neue Kraft zu sammeln bei einer Tasse Kaffee und einigen Brötchen. Dann ging es auf der Straße nach Stendal weiter bis zum Mittellandkanals, der damals noch gebaut wurde. Die Baustellen passierte er, indem er das Rad schob, um dann nach Wolmirstedt zu gelangen. Von Colbitz aus ging es die Hauptchaussee weiter durch die schöne Letzlinger Heide nach Dolle und von hier links abbiegend durch den schönen frischen Wald weiter nach Salchau. Hinter Salchau stieg er ab und konnte sich im Walde eine halbe Stunde an Himbeeren reichlich satt essen, denn er war ganz allein in der Gegend. Dann fuhr er weiter immer durch schöne Wälder über die Barriere Zienau nach Gardelegen hinein, 160 km von Leipzig, wo er nicht weit vom Bahnhof ein gutes Zimmer zum Übernachten fand. Auch das Abendbrot und der Weißwein mit Mineralwasser haben ihm gutgetan. Es war sein Prinzip, beim Radfahren möglichst kein Bier zu trinken, dagegen von Zeit zu Zeit ein Stück Zucker oder Schokolade zu essen, um die Muskeln zu stärken, was ihm immer sehr gut getan hat und seine Leistungsfähigkeit erhöhte.

Am anderen Tag gegen 6 Uhr früh ging es dann weiter durch Gardelegen auf der Straße nach Salzwedel über Jeggau, Wiepke-Kakerbeck, Winterfeld, Mahlsdorf und Buchwitz durch die Altmark, wobei ihm auffiel, dass besonders beim Durchfahren von Kakerbeck die wellige Straße sehr schmutzig war durch den Kot der Zugtiere, sodass man seine Not hatte, dem Schmutz auszuweichen. So schmutzig sind die Dörfer in Sachsen nun doch nicht. In Salzwedel hielt er sich nicht auf, sondern fuhr gleich weiter über Lübbow bis Lüchow, wo er links in die Straße nach Uelzen einbog, um über Küsten und Salderatzen bei Zarenthin die Straße nach Himbergen zu erreichen. Die ging auch rechts in nördlicher Richtung ab. Kaum hatte er den Wald erreicht, da fing es an zu regnen, zu blitzen und zu donnern, sodass er, es war wohl bei Polau, Schutz suchen musste. Bei aufgeweichtem Boden ging es durch den Wald weiter, und so kam er in Hohenzethen auf eine bessere Straße und über Stoetze und Boecke glücklich nach dem Dorf Himbergen ca. 85 km von Gardelegen und 245 km von Leipzig, wo er gleich im Gasthaus Meyer Unterkunft fand. Es muss wohl gegen 6 oder 7 Uhr abends gewesen sein. Nachdem er einen Rundgang durch den Ort gemacht und ein gutes Abendbrot eingenommen hatte, legte er sich zu Bett, um am anderen Tag gegen 6 Uhr früh durch die sogenannte Göhrde, einem 270 km2 großen Laubwald, weiter zu fahren. Zuerst ging es in östlicher Richtung bis zum Försterhaus „Hohenfier“, wo er die nach Norden abzweigende Straße Richtung Elbe einschlug und durch den großen Forst Göhrde und die Orte Oldendorf nach Bleckede an der Elbe kam, um mit einer Fähre auf die andere Seite der Elbe zu gelangen ungefähr bei Stiepelse in der Nähe von Neuhaus an der Mecklenburger Landesgrenze. Auf Nebenwegen kam er dann auf die Hauptstraße nach Boizenburg. An der Straße merkte man schon, dass man nicht mehr in Preußen war, denn die Straßen waren hier bedeutend schlechter als zu Hause und sogar als in Preußen. Er fuhr aber gleich weiter in nördlicher Richtung über Schwartow nach Zarrenthin am Schaalsee. Er war an das westliche Ende der Mecklenburgischen Seenplatte geraten. Der Weg am See entlang in die Richtung von Ratzeburg war auch sehr schön und abwechslungsreich und zwischen Land und Wasser.

Vom Schaalsee führte die Straße nach Ratzeburg, das idyllisch am Ratzeberger See liegt, wobei die Stadt selbst teilweise auf einer Insel gebaut ist. Die Straße führte ihn 10 km an dem See entlang über Großsarau nach Großgrönau und von hier nach der alten Stadt Lübeck in Oldenburg, die ihn ob ihrer mittelalterlichen Gebäude sehr interessiert hat. Er durchfuhr die Stadt, von Süden kommend, durch das alte südliche Holstentor, wo er bis in die Nähe des Marktes fuhr, das gotische Rathaus und die bekannte Marienkirche besuchte, um dann westlich weiter zu fahren über die Vorstadt Schwartau nach Süsel, um dort zu übernachten, denn es war inzwischen schon gegen 8 Uhr abends geworden und es schien wieder regnen zu wollen. Auch hier in Süsel gab es gut zu essen und ein Bett zum Schlafen. Am anderen Tag ging es dann weiter nach Eutin in die sogenannte Holsteiner Schweiz mit den schönen Hügellandschaften und den vielen Seen. Leider fing es wieder zu regnen an, sodass seine Absicht über Malente, die schönste Gegend der Holsteinischen Schweiz zu fahren, aufgab, und von Eutin aus direkt nach Plön, das reizvoll zwischen den vielen Seen liegt, fuhr. Leider fing es gerade hier an stärker zu regnen, sodass er öfters absitzen musste, um nicht zu nass zu werden. Es war wohl die schönste Gegend der ganzen Tour mit dem großen Plöner See und der Stadt Plön, die zwischen 5 Seen liegt. Er konnte leider die abwechselnde schöne Gegend nur im Vorbeifahren bewundern, denn der Regen wurde immer stärker. Er durchfuhr noch die Ortschaften Lebrade und Preetz, wo er gezwungen war, etwas länger zu warten, bis er weiter fahren konnte. Aber der Regen hörte nicht auf, sodass er in Raisdorf einkehren musste, um etwas besseres Wetter abzuwarten. Er hatte nur noch 7 km zu fahren bis zum Bahnhof in Kiel und er nahm sich vor, von Kiel aus die Bahn zu benützen, um am gleichen Tag noch nach Steinberghaff zu kommen. Sowie der Regen wieder etwas nachgelassen hatte, fuhr er auf der durchnässten Straße weiter über Elmschenhagen nach Kiel und gelangte nach 12 Uhr Mittag in die Hauptstadt der Provinz Schleswig-Holstein. Vom Hafen und von der Stadt hat er nicht viel gesehen, weil er direkt zum Bahnhof gefahren ist, um sich nach dem nächsten Zug zu erkundigen, der wohl nach 13 Uhr in Richtung Flensburg abfuhr. Er löste gleich eine Fahrkarte nach Sörup, da die Verbindung nach Steinberg über Kappeln ungünstig war. Er musste dann von Sörup nur noch 20 km mit dem Rade zurücklegen bis Steinberghaff. Mit den 50 km von Süsel bis Kiel hatte er an diesem dritten Tag nur rund 70 km zurückgelegt. Er fuhr dann von Kiel über Eckernförde in das Land der alten Angeln, die früher England erobert hatten (449 n. Christus) und kam auch glücklich in Sörup an, wo er sich wieder aufs Rad setzte und, da sich das Wetter hier aufgeklärt hatte, über Sterup und Steinberg mit dem Rade in Steinberg gegen 5 Uhr Nachmittag in Steinberghaff an der Geltinger Bucht der Ostsee anlangte. Das Kindererholungsheim, in dem Alice beschäftigt war, war leicht zu finden und auch bald Alice selbst, die ihm empfahl, im Gasthaus „Waldeslust“ oder „Waldesruhe“ abzusteigen. Er hat sich das kleine Ostseebad mit Alice angesehen, ein einfaches Bad mit einem schlichten Strandhotel. Gegenüber der Geltinger Bucht über der Flensburger Förde liegen die Alsen Inseln im Kleinen Belt, das vor 1918 zu Preußen gehörte und jetzt dänisch geworden war. Er ist wohl 2 Nächte dort geblieben und hat dann von Alice Abschied genommen, um nach Bremen zu fahren und seinen Schwager Emil Mester zu besuchen. Er fuhr also nach 2 Tagen mit dem Rade wieder weiter über Steinberg  nach Sterup und weiter über Osterholz und Grumby nach Schleswig. Er umfuhr die wasserreiche Stadt südlich über Busdorf, Jagel und Kropp nach Rendsburg. Dann ging es weiter über Jevenstedt und Hohenwestedt sowie durch die Stadt Itzehoe. Über Neuenbrook kam er dann bald in Glückstadt an, das am rechten Ufer der hier 3000 Meter breiten Elbe liegt, wo er auch sofort einen Gasthof zum Übernachten fand. Von Steinberghaff hatte er also schon wieder 120 km zurückgelegt, ohne eine Müdigkeit zu spüren. Am nächsten Tag ließ er sich mit dem Rade über die breite Elbe mit einem Fischerkahn übersetzen und landete an dem Ort Wischhafen im Kehdinger Land. Auf der zur Elbe parallel laufenden Uferstraße fuhr er auf schlechtem Pflaster bis Neuland, wo rechts der Weg abzweigte nach Osten durch das Kehrdinger Moor über Altendorf. Hier im Osten kam er zu einer schwenkbaren Hebebrücke über der Oste, einem schiffbaren Fluss, der von Bremervörde kommend sich bei Neuhaus in die Elbe ergießt. Nach der Kreuzung der Straße Cuxhaven-Harburg Bahnlinien Cuxhaven-Harburg-Hamburg kam er auf guter Straße über Lamstedt, Armstorf, Alfstedt und Ebersdorf nach Glinde, wo er die Stadt Bremervörde links liegen ließ und über eine Abkürzung die Hauptstraße nach Bremen erreichte und über Basdahl, Kuhstedt, Wallhöven, Osterholz erreichte, das nur noch 12 km von Grambke lag, wo sein Schwager Emil zu Hause war. Von Osterholz fuhr er weiter über Ritterhude nach Burgdamm am Bahnhof Burg-Lesum vorbei und über die Lesumbrücke nach Grambke-Moor und dann die schönen Allee entlang auf dem Radfahrweg nach der Grambke-Burger Vorstadt, wo in der Dwerhagenstraße Nr. 15 Emil und Ella Mester eine Weinhandlung führte. Er hatte also wiederum 95 km zurückgelegt und war glücklich angekommen ohne Unfall und bei gutem Wetter. Es war auch erst gegen 5 Uhr nachmittags, sodass sie sich noch gut unterhalten konnten. Von Steinberghaff hatte er 215 km zurückgelegt. Mit Emil war er dann am nächsten Tag in Bremen zum Besuch einer Weinniederlage, wo sie einige Wein­sorten probieren konnten. Auch hat er mit seinem Schwager und seinen Schwägerinnen den Bremer Ratskeller besucht, wo er auch früher mit seiner dritten Frau Martha und noch später mit Helene gewesen war. Bei dem schönen Sonnenwetter saßen sie meistens im Garten des Weinhauses und haben sich gut unterhalten. Nach 2 oder 3 Tagen fuhr er dann in Emils Begleitung weiter nach Hannover zu. Sie fuhren Morgens zeitig von Grambke fort direkt über Wiesen und Felder am Handelshafen und der Weser-Werft vorbei hinter der Waller-Vorstadt und weiter bis zum Stadtzentrum, also durch die Hauptstraße der inneren Stadt bis zum Markt, wo sie rechts nach Süden abschwenkten, um über die Weserbrücke die Straße nach Hannover zu erreichen. Und so fuhren sie zusammen über Brinkum und Barrien bis Syke, 28 km von Grambke, wo sie sich trennten, Emil.

Er fuhr also weiter über Asendorf, Wietzen und Lemke bis vor Nienburg, um über die Weserbrücke zu fahren und in Nienburg sich etwas auszuruhen bei einem Glas Wein und ein paar belegten Brötchen. Er fuhr auf der nicht besonders guten Straße bald weiter und gelangte nach Neustadt am Rübenberge und weiter nach Überbrücken der Leine über Frielingen und Berenbostel bald in die Vorstädte von Hannover, nachdem er die Bauarbeiten am Mittellandkanal im Nordwesten der Stadt beobachten hatte. Zuerst kam er am Schloss Herrenhausen an, der früheren Sommerresidenz der Hannoverschen Kurfürsten und Könige mit dem großen Garten nach dem Vorbild von Versailles angelegt, wovon von der Nienburger Straße aus jedoch nicht viel zu sehen war. Durch die Herrenhäuser Allee und den Georgengarten fuhr er weiter an der links liegenden Technischen Hochschule (dem früheren Welfenschloss) vorbei, wo er vor Jahren seine Vorträge mit praktischen Vorführungen über die Pittler-Revolverdrehbänke gehalten hatte. Durch die Lange Laube und die Schillerstraße fuhr er direkt zum Bahnhof. Da es ziemlich spät geworden war, nahm eine Fahrkarte nach Peine, wo er dann um 8 Uhr abends ankam. Er fand sofort die Wohnung in der Woltersdorfer Straße wieder, wo Erich und Meta mit der Tochter Ruth wohnten.

Scheinbar war Erich in die Nationalsozialistische Partei eingetreten, denn er hatte die Kopfwand an der Chaiselongue in der Wohnstube mit einem Fahnentuch der Partei mit dem Hakenkreuz geschmückt, worauf Franz als Gegner eine abfällige Bemerkung fallen ließ, denn Hans entgegnete: Vater Franz, mach mich nicht schwach. Bei seinem vorigen Besuch im Jahre 1925 war Hans noch Mitglied der kommunistischen Partei gewesen, worüber seine Mutter sehr ungehalten war und ihm immer Vorwürfe gemacht hatte. Nach einem Tag bei Erich fuhr mit der Bahn nach Leipzig, da das Wetter zu unsicher geworden war.

Die Tochter Martel der Frau Henkel hatte in Magdeburg die Bekanntschaft eines Herrn Emil Metz gemacht, der auch später ihr Mann wurde. Da die beiden sich gern wieder treffen wollten, hatten sie ausgemacht, sich halbwegs zwischen Magdeburg und Leipzig zu treffen und Franz erklärte sich bereit, Martel bis Dessau mit dem Rade zu begleiten, was dann auch an einem Sonntag geschah. Sie fuhren frühzeitig von der Schützenstraße los und kamen über Delitzsch bei schönem Wetter auch glücklich in Dessau an, wo sie in einem Garten in der Nähe des Bahnhofes zusammen beim Bier gefrühstückt haben. Nachdem sie sich ausgeruht und gestärkt hatten, fuhren sie zu dritt der Straße nach Ziebigk entlang und an dem Ort vorbei bis zur Elbe, wo sie sich am Ufer niederließen und das Leben der Ausflügler beobachten konnten. Emil machte sich sogleich zum Bade fertig und sprang zuerst in den Fluss. Gegen 4 oder 5 Uhr nachmittags fuhr Franz dann allein zurück nach Leipzig, da Martel die Rückfahrt lieber mit dem Zug zurücklegen wollte, es war ihr scheinbar doch etwas zu weit gewesen von Leipzig bis Dessau.

Während der Ferien besuchten Frau Henkel und Franz im Jahre 1934 die inzwischen Neuvermählten Martel und Emil in Halberstadt, wobei Frau Henkel mit der Eisenbahn und Franz wie schon so oft mit dem Rade hinfuhr, um dann von Halberstadt aus weiter zu seiner Schwester nach Brüssel zu fahren. Er fuhr also früh gegen 5 Uhr von der Tauchaer Straße ab und durchs Rosenthal nach Wahren an der Pittler-Fabrik vorbei über Schkeuditz nach Halle der altbekannten Chaussee entlang. In Halle fuhr er weiter über den Riebeckplatz, die Magdeburger- und Ludwig- Wacherer-Straße am Altertumsmuseum vorbei nach Trotha zu und von hier bergan über Morl und dann bergab und leicht wellig nach Könnern und Alsleben. Nachdem er hier etwas zu Mittag eingenommen hatte, ging es weiter über Schackstedt und Mehringen nach Aschersleben. Die Stadt wurde durchfahren am Rathaus vorbei und es ging weiter über Hoym nach Quedlinburg, wo er sich eine Weile ausruhte bei einer Limonade, um dann um die Stadt herum die Straße nach Halberstadt zu erreichen. Er fand ohne Mühe die Straße, in der Martel und Emil wohnten im Süden der Stadt. Er blieb 2 oder 3 Tage in Halberstadt, um zusammen die Stadt und die Buchhandlung in der Schmiedegasse, wo Emil angestellt war, zu besuchten Nach 3 Tagen fuhr er mit dem Rade früh morgens weiter bei bedecktem Himmel durch die Steinstraße zur Chaussee nach Braunschweig und über Aspenstedt, Athenstedt nach Dardesheim und Hessen, wo es stark zu regnen anfing, sodass er gezwungen war, sich einige Minuten unterzustellen. Trotz des Regens fuhr er aber weiter durch den großen Graben über Roklum, Semmenstedt, Remmlingen, Wittmar und Wendessen bis Wolfenbüttel. Dort war er wegen des Regens gezwungen einzukehren. Nachdem er sich etwas ausgeruht und der Regen aufgehört hatte, fuhr er gegen 2 Uhr nachmittags weiter auf der Hauptstraße nach Braunschweig bis Rüningen, dort bog er links ab, um die Stadt Braunschweig nicht durchfahren zu müssen, und über Timmerlah, Velchede die Hauptstraße nach Hannover zu erreichen, wo er ganz gut und ziemlich trocken ankam. Er fuhr aber weiter Richtung Hannover und kam dann bald nach Siersse und Dungelbeck an der Querstraße, die nach Peine führte. Nach 87,5 km war er von Halberstadt am Ziel seiner Tagestour angelangt und fand auch bald die Wohnung, wo Meta Henkel jetzt wohnte in einer Straße im Norden der Stadt. Meta freute sich sehr, dass er trotz des Wetters gut angekommen war und ging mit ihm, nachdem er etwas eingenommen hatte, in die Stadt, um Verschiedenes einzukaufen. Erich war nicht anwesend, da er 1933 durch seine früheren NS Parteifreunde gefangen genommen worden war und danach in verschiedene Konzentrationslager wie Celle, Königsberg, Dachau usw. war, wobei er sehr viel zu leiden gehabt hat, denn seine ganzen Zähne hat er neu einsetzen lassen müssen.

Am nächsten Tag, nachdem er gut geschlafen hatte, nahm er von Meta Abschied und fuhr durch Peine zurück zur Straße nach Hildesheim und kam bei schönem Wetter über Rosenthal, Hohenhameln, Clauen, Harsum und Asel in der Peiner Landstraße in Hildesheim an (32,5 km). Beim Durchfahren der Stadt konnte er die vielen mittelalterlichen Holzhäuser bewundern. Nachdem er das Rad über den alten Markt geführt hatte, fuhr er weiter durch die Kreuzstraße über den Domhof und durch die Dammstraße zur Elzerstraße, um die Straße nach Hameln zu erreichen. Vor Elze überfuhr er die Leine und kam dann über Mehle, Coppenbrügge und Afferde gegen Mittag in Hameln an. Er schob das Rad durch die Stadt und kehrte zum Mittagessen ein. Dann ging es weiter über die Weserbrücke und über Aerzen, Blomberg und Horn an den Externsteinen vorbei nach Paderborn, wo er gegen 20 Uhr abends ankam. Hier nahm er in der Nähe des Bahnhofs ein Zimmer. Am andern Morgen sah der Himmel wieder sehr trüb aus und das Wetter war regnerisch, sodass er zuerst gar nicht weiterfahren wollte. Da es sich jedoch etwas aufklärte, fuhr er weiter und kam verhältnismäßig gut in Salzkotten, Geseke, Erwitte und Soest an, wo er sich die alte bergige Stadt genauer ansah. Da er annahm, am nächsten Tag die holländische und die belgische Grenze bei Roermond zu überfahren, wollte er hier in Soest etwas deutsches Geld in belgische Belgas umwechseln und versuchte es in einer Bank gewechselt zu bekommen. Es wurde ihm aber gesagt, dass das Wechseln in Deutschland nicht mehr möglich sei und er es nur an der Grenze selbst wechseln könne, sodass ihm weiter nichts übrig blieb, als die Reise fortzusetzen und sein Glück in Roermond zu versuchen. Das war also der erste Rückschlag in seiner Planung. Er fuhr der Hauptstraße entlang weiter nach Werl und Unna, wo es wieder anfing tüchtig zu regnen. Er kam glücklich am Hauptbahnhof in Dortmund an, nachdem er von Paderborn 98 km zurückgelegt hatte. Nach einiger Überlegung entschied er sich dafür, die Reise nicht fortzusetzen und mit dem Zug zurückzufahren, da er ziemlich durchnässt war und sich mit dem nassen Anzug in Brüssel nicht gut sehen lassen konnte.

Das war seine letzte größere Reise mit dem Rade.

 

Franz bei seiner Tochter

Nun lebte Franz bei seiner Tochter. Er gab Alice vorläufig 40 RM als Wirtschaftsgeld für seine Unterhaltung im Monat März und so war er von nun an Untermieter bei seiner Tochter Alice, der er dann für die nächsten Monate je 50 Mark für seine Unterhaltung gab, was er gut entbehren konnte, da sein Vermögen damals 550 Mark betrug und er persönlich nicht viel brauchte.

Am nächsten Tag fuhr er zu Frau Bürger zurück, um seine Bücher, Schreibpapier und andere Kleinigkeiten abzuholen. Alice stellte ihm einen Teil des Bücherschrankes zur Verfügung, sodass er seine wenigen Bücher, Landkarten usw. gut unterbringen konnte.

Am 11. März fuhr er zur Fürsorgestelle I in der Pfaffendorfer Straße, um auch diese Angelegenheit zu erledigen und seine Adressänderung anzugeben.

Am 20. März war ein Vertreter der Fürsorge bei ihm, um sich nach seinen Verhältnissen zu erkundigen und mit dem Auftrag, er solle in der Pfaffendorfer Straße im Amt 1 vorbeizugehen, wenn er Geld (33 Mark) benötige. Aus Wormstedt erhielt Alice ¾ Zentner Kartoffeln zugeschickt. Am 5. April war Frau Henkel zum zweiten Mal hier zu Besuch und ist mit ihm zur Fürsorge gefahren, wo er zum ersten Mal aufgrund seines Antrages 31,50 Mark für den Monat April erhalten hat. Am 10. April hat er sich polizeilich umgemeldet in die Paul-Küstner-Straße 10 I, sodass für ihn  auch diese Sache erledigt war. Am 11. April fuhr  Frau Henkel wieder nach Dessau zu ihrer Tochter Martel und den 4 Kindern zurück.

Direktor Paul in Wahren teilte Franz mit, dass er nun die Fürsorge in Anspruch nehmen müsse und dass er für den Monat April die erste Unterstützung erhalten habe mit Angabe seiner neuen Adresse in Leipzig-Lindenau. Darauf hat Franz von Herrn Paul keine Antwort mehr erhalten und nur durch seinen früheren Zeichner erfahren, dass er Pittler verlassen hatte und als Regierungsrat, Abteilung für Wirtschaft und Arbeit bei der Landesverwaltung Sachsen im Rathaus angestellt worden ist, und dass er wohl auch Herrn Röder und Sommer als Mitarbeiter hat unterbringen können.

Zu dieser Zeit, als es wenig Gemüse gab, hat Alice auch angefangen, Brennnesseln im Walde zu sammeln, die gut zubereitet als Ersatz für Spinat Verwendung finden konnte. Am 16. April war Franz gezwungen als Deutscher, seine Kennkarte, die er nach seiner Einbürgerung von der Polizei erhalten hatte mit der Nummer A.72227 am 19. April 1946 in Leipzig-Lindenau  bis auf weiteres verlängern zu lassen, sodass seine Ausweispapiere wieder in Ordnung waren.

Am 18. April fuhr Franz zur Fürsorgestelle in der Saalfelder Straße, um auf Veranlassung des Wohlfahrtamtes 1 Zentrum nachzufragen, ob seine Akten von der Stelle 1 beim Amt 7 inzwischen eingegangen seien, damit er seine Unterstützung von nun an beim Amt Nr. 7 abheben könne. Da die Akten eingegangen waren, konnte er schon für den Monat Mai seine Unterstützung in Lindenau abheben und brauchte deshalb nicht in die Stadt zu fahren.

Er fuhr aber um diese Zeit in die Stadt, um biochemische Pillen in der homöophatischen Apotheke von Schwabe zu holen und auch, um Stadtführer der ihm bekannten Städte bei verschiedenen Buchhändlern zu kaufen. Nirgends war etwas zu bekommen. Nur bei Köhler in der Wintergarten-/Ecke Querstraße fand er einen Michelin-Führer aus dem Jahre 1912 über die Alpen und den Rhein, worin er, ohne es vorher zu wissen, einen Autoatlas über Holland, Belgien, Westdeutschland, die Schweiz, Tirol und Norditalien bis Turin fand mit kleinen Plänen aller Städte wie auch größere von Amsterdam, Antwerpen und von Brüssel im Maßstab 1:30000. Außerdem einen kleinen Stadtplan von Mecheln mit Angaben der Entfernungen von Stadt zu Stadt usw. Auch die Stadtpläne von Westdeutschland von Köln bis München und von der Schweiz und Norditalien waren darin vorhanden. Dann fand er noch Stadtpläne sowie Führer durch das Riesengebirge und das Moseltal und Alben über Ostende und Brüssel, wofür er sich ebenfalls interessierte. Lange hat er nach einem Stadtplan von Brüssel in größerem Maßstab gesucht, bis er von seinem Freund Petersohn in der TVL einen illustrierten Führer durch Brüssel und Umgebung erhielt aus dem Jahre 1910 mit einem besonderen Plan der damaligen Weltausstellung und ein Verzeichnis aller Straßen, die ihm von früher her bekannt waren. Da die Führer doch etwas alt waren, schrieb Franz direkt an den Verlag der Grieben-Reiseführer in Berlin und konnte von dort und der Leipziger Vertretung 16 bis 20 neue Führer erhalten, die von den Angriffen der deutschen Städte gerettet worden waren. Dabei waren auch der große Führer durch Belgien ebenfalls mit Plänen der belgischen Städte und ein Führer durch Holland, die er zur Beschreibung seiner Reisen gut verwenden konnte. Da seine Tochter Lotte in Eisenach auch Gelegenheit hatte, einige Führer und Karten zu besorgen, so war seine Führer- und Landkartensammlung wieder sehr reichhaltig und er warstolz darauf.

Während die Postverbindungen innerhalb Deutschlands nur während der Invasionszeit im Jahre 1945, als die Amerikaner von Paris kommend Deutschland erreichten, von April bis Ende August unterbrochen wurden, war von September 1944 bis zum Monat April 1946 eine Verbindung mit Belgien und Holland ausgeschlossen, sodass es erst am 23. April 1946 möglich war, nach Brüssel an seinen Freund Pierre Flammand zu schreiben und ihm zu seinem Geburtstag am 24. April zu beglückwünschen. Der Brief ist auch gut angekommen, denn am 25. Juni 1946 erhielt Franz eine Antwort, worin er ihm mitteilte, dass es seinem Schwager Léon trotz seiner 88 ½ Jahren sehr gut gehe und dass er vor drei Wochen sogar bei ihnen zu Besuch gewesen sei. Dabei erfuhr Franz, dass seine Großcousine Louise, mit der er im Jahre 1938 die verschiedenen Reisen durch Belgien gemacht hatte, sich inzwischen erholt habe, denn sie habe einen Nervenzusammenbruch erlitten, der durch die Bombardements der deutschen Luftfahrzeuge VI, V2 usw. verursacht worden sei. Dagegen habe Suzanne, ihre Schwester, den Krieg besser überstanden und alle würden bedauern, dass sie in Brüssel nicht wieder zusammen montags abends wie im Jahre 1938 die schönen Sitzungen beim Biere würden abhalten können. Seine Cousine Emma Wyngarden hat sich dagegen bei Lüttich bei den Verwandten ihres Vaters, des Hutmachers, aufgehalten. Trotz der 5 Jahre deutsche Besatzung seien sie alle soweit gesund. Das Leben habe aber für ältere Leute keinen Zauber mehr durch die starke Verteuerung aller Lebensmittel, sodass sie vieles entbehren müssten dazu gehörten die Besuche im Café wie früher. Seit beinahe 2 Jahren hätten sie keine Nachricht von Franz erhalten, was auch stimmen kann, denn nach der Abstempelung seiner früheren Kontrollkarte für den Auslandsbriefverkehr, die er nun seit dem 14. Februar 1944 führen musste, hatte er zum letzten Mal am 30. August 1944 einen Brief an Flammand sowie eine letzte Karte an seinen Schwager Léon geschickt.

Später erhielt Franz noch weitere Briefe von Frau Louise de Roy, Suzanne Bomhals, Emma Wyngarden, Anna Dewal, die inzwischen verheiratet war und bereits 2 Kinder hatte, woraus hervorging, dass in der Nähe der Wohnung von Louise de Roy eine deutsche Bombe gefallen war, eine VSII Bombe, die viele Schäden angerichtet hatte und auch viele Tote zu beklagen gewesen seien, dass ferner der Sohn ihres Bruders in Dachau infolge der Folterungen gestorben sei. Ferner erfuhr er, dass seine Cousine Emma Wyngarden mit Rheumatismus zu tun habe und dass Léon sein Essen immer noch selbst koche und nach wie vor gesund sei. Er gehe mit seinen 89 Jahren alle Tage spazieren und ließ ihn durch Emma bestens grüßen. Von Emma erfuhr er dann auch die Adresse seiner Cousine Anna van de Wal, jetzt Frau Anna Brockmann in Utrecht, MGR v. d. Weteringestraat Nr. 112, wobei er auch erfuhr, dass ihre Mutter, die Franz in Vught im Jahre 1938 kennengelernt hatte, in Utrecht gestorben und nach Vught überführt worden sei. Weiterhin berichtete Emma ihm, dass das Grab seiner Schwester in Anderlecht immer schön in Ordnung gehalten werde und dass sie während des Krieges sehr oft bei den Verwandten ihres Vaters bei Lüttich gewesen sei, die immer sehr nett und gut zu ihr gewesen seien. Es war also überall dasselbe, es ließ sich auf dem Lande, ob in der Nähe von Lüttich oder in der Umgebung von Apolda war, besser leben als in der Großstadt, ganz gleich ob es in Deutschland oder Belgien war. Die beiden Geschwister Louise und Suzanne waren in Knocke an der Nordsee, wo Franz im Jahre 1938 auch mit seiner Cousine Louise de Roy war. Sie hatten damals auch eine Ansichtskarte von Knocke geschickt, die Franz aber, da das Senden von Ansichtskarten verboten war, bis heute im Jahre 1947 noch nicht erhalten hat. Er erfuhr später auch durch Louise, dass eine Flasche Geuze, das gute Brüsseler Bier 20 bis 22 Franken koste, sodass ihr der Durst vergangen sei. Die Kneipe, in der sie früher verkehrt sind bei der Börse, bestehe auch nicht mehr und habe andere Wirtsleute, sodass Léon und die anderen Freunde dort nicht mehr verkehrten.

Bei seiner Tochter Alice verlief sonst das Jahr 1946 ruhig, da Alice für ihren Vater alles besorgte und erdiese Beschreibung seines Lebens ruhig ausarbeiten konnte, um die Zeit zu verkürzen. Früh morgens erhielt er seinen Kaffee mit drei Brotschnitten und Marmelade oder Honig. Zwischen 12 und 13 Uhr wurde Mittag gegessen, meistens gab es bis zum Frühjahr Kartoffeln, die durch die regelmäßige Zusendung aus Wormstedt gut gereicht haben in Verbindung mit Gemüse wie Spinat, Rotkohl oder ähnlichem. Nachmittags gegen 16 Uhr gab es etwas Pudding und abends nach 18 Uhr meistens Bratkartoffeln und danach wieder 3 Brote mit seiner zugeteilten Butter, die er annähernd alle 14 Tage in 50 Gramm Stückchen einteilen musste. Abwechselnd gab es auch etwas Wurst vom Fleischer oder Käse, sodass er mit dem Essen ganz gut ausgekommen ist. Da seine Tochter aus Eisenach von Zeit zu Zeit ein Päckchen schicken konnte, so sind sie ganz gut durchgekommen. 2 bis 3 Mal konnte Alice sogar Frau Ruppert mit Kartoffeln aushelfen, wenn es bei Rupperts sehr knapp geworden war. Sie haben aber das geborgte Quantum immer pünktlich zurückerhalten.

Da sein Freund Müller ihn alle 14 Tage mit dem Auto abholte, konnte Franz bis Ende 1946 regelmäßig Versammlungen der Technischen Vereinigung, die sonnabends im Auerbachs Keller abgehalten wurde, beiwohnen. Zweimal sind sie wohl auch mit der Straßenbahn zu den Versammlungen, wo er sich mit den alten Freunden gut unterhalten hat und in das Anwesenheitsbuch von Zeit zu Zeit wieder mit einer Zeichnung verziert hat, so z.B. eine Sitzung in ihrer Nische in der linken hinteren Ecke des Restaurants und ein Erinnerungsblatt an den 59. Jahrestag der Gründung des Vereines im Fasskeller des Auerbachs Keller sowie zuletzt ein Bild als Umrahmung für die Fotos der jetzigen Mitglieder mit den Namen der Vorsitzenden seit 1887 auf einer Doppelseite.

Da durch die russische Besatzungsbehörde bekannt gegeben wurde, dass von der Sparkasse an Unbemittelte bis 400 RM herausgegeben werden können, hat Franz sich am 29. Mai einen entsprechenden Schein durch die Fürsorgestelle ausstellen lassen und dann später im Monat Juni 400 RM auf sein Sparbuch  ausbezahlt bekommen. Am 15. Juni 1946 erhielten sie über Wormstedt Nachricht von Rudi durch einen Holländer Herrn Tübben Edic, der in Minsk mit Rudi zusammen gewesen war. Durch den Brief, den er an Alice schrieb, erfuhren sie, dass Rudi als Spezialist in einer Fabrikschlosserei beschäftigt sei und dass es ihm gut gehe. Der Brief war an Alice nach Wormstedt geschickt und von der Oma hierher gesandt worden. Am 15. Juli besuchte sie Lotte aus Eisenach und brachte außer den Geschenken für Wölfchen zum Geburtstag, für ihn einen neuen Atlas vom Sydow-Wagners Verlag Justus Perthes in Gotha aus dem Jahre 1944 mit 62 Haupt- und 260 Nebenkarten auf 61 Tafeln und einem Namensverzeichnis mit sowie ein Buch „Stalingrad“ und mehrere Reiseführer von Wörl durch Amsterdam und von Hachette in Französisch über die Normandie (Guide bleu). Da sie auch Brot, Butter usw. mitbrachte, haben sie ein paar Tage gut zu essen gehabt. Leider konnte Lotte bis zum Geburtstag von Wölfchen nicht da bleiben und fuhr, nachdem sie Rupperts besucht hatten und sie mit den Kindern und Alice auf dem Messplatz war, am 18. Juni wieder zurück.

Bereits Ende Januar bekam Franz einen Neujahrsbrief von seiner Cousine Anna de Wal aus Utrecht, wo sie mit ihrem Mann von Vught aus hingezogen war, und teilte ihm mit, dass alle Verwandten in Holland gut durch den Krieg gekommen seien. Nur ihre Schwester in ‚S-Hertogenbosch, die er im Jahre 1938 kennengelernt hatte, habe ihren Sohn verloren durch einen Schuss ins Herz. Seit dem 28. Dezember 1943 sei sie schon verheiratet und hätte 2 Kinder, ein Mädchen und einen Jungen. Sie seien alle gesund und ebenfalls gut durch den Krieg gekommen. Nur der Winter von 1944 auf 1945 wäre sehr schwer gewesen, denn sie hatten keine Kohlen, kein Gas, kein Licht und nichts zu essen. Tausende von Menschen seien fortgeschafft worden. Aber trotz aller Razzien habe sie ihren Mann verstecken und behalten können. Es wäre zwar immer noch nicht so wie es sein sollte, aber jetzt könnten sie zufrieden sein, denn wo so viel vernichtet und fortgeschleppt worden sei wie in Holland, könne es nicht so schnell wieder in Ordnung kommen. Wenn auch viele Lebensmittel wie: Butter, Brot, Käse, Fleisch, Zucker usw. rationalisiert seien, so gäbe es doch Schotengemüse und Haferflocken frei und das wäre doch schon etwas. Wie sie gelesen habe, soll es Deutschland sehr schlecht sein und so wollte sie ihnen ein Päckchen mit Lebensmitteln zukommen lassen, was wohl nicht geschehen ist. Von Louise de Roy erfuhr er schon im Januar, dass es ihnen wohl besser gehe, aber sie nur 110 Blutdruck habe, was doch zu wenig sei. Am 9. März schrieb sie Franz, dass es ihr besser gehe, aber sie sollte in wärmere Länder gehen, denn der Winter wäre sehr kalt und sie hätten zu wenig Kohlen, um zu heizen. Da erfuhr er auch, dass der Bahnbau vom Südbahnhof zum Nordbahnhof noch nicht fertig sei und der Zentralbahnhof nicht weit von der Anlage Mont des Arts gebaut werde. Durch den Krieg seien die Arbeiten, die bei seinem letzten Besuch bis zur Kirche de la Chapelle fortgeschritten waren, unterbrochen worden.

Beim Einkaufen von Büchern konnte Franz am 12. Juli ein starkes 1222 Seiten starkes französisch- niederländisches Wörterbuch vom Frick van Wely bei Koehler von Franz Kramer für 12 Mark kaufen, um seine holländischen Sprachkenntnisse zu vervollständigen.

Am 13. Juli besuchte ihn sein früherer Zeichner bei Pittler, Max Richter, und am 15. Juli Herr Röder, die ihm über die Pittler-Fabrik Näheres mitteilen konnten. Während Röder inzwischen bei der Stadt arbeitet, ist Max Richter als Zeichner bei den Russen im Pittler-Werk beschäftigt und zeichnet für die Russen die Kesselanlagen usw. genau auf, damit sie in Kiew wieder genau aufgebaut werden können. Auch Max Frank hat ihn ein paar Mal besucht, der nach Franz bei Pittler die Kalkulationsabteilung übernommen und die Offerte weiter ausgearbeitet hatte.

Am 20. Juli hatte Alice den Besuch eines Beamten des Wohnungsamtes, der mit 12 bis 16 KZ-Männern die Wohnung besichtigen wollte, worunter sich auch 2 bis 3 Russen in Uniform befanden. Die vielen Männer konnten sich in der kleinen Wohnung kaum drehen. Der Beamte meinte zu Alice, sie würde vom Wohnungsamt Bescheid bekommen, aber es ist nichts erfolgt, wahrscheinlich weil als Untermieter eingezogen war.

Am 26. Juli starb der Schwager von Helene Henkel in Wormstedt nach langer Krankheit, als sie zufällig in Wormstedt war und der Trauerfeier in Apolda beiwohnen konnte.

Am 12. Oktober fand oder sollte in der Gosenschänke in Eutritzsch ein Kegelabend stattfinden, der aber ausfallen musste, weil die Kegelbahn nicht geheizt werden konnte. Sie blieben in der Gaststube, wo es nochmal eine gute Möhrensuppe mit Kartoffeln ohne Marken gab. Am 13. Oktober starb sein Freund Philipp Schwarze infolge eines Schlaganfalls, wie Franz später erfahren konnte. Am 20. Oktober starb dann auch in Berlin-Köpenick sein früherer Chef, Georg Stolzenburg, bei dem er im Jahre 1889 in Leipzig-Gohlis als Zeichner seine ersten technischen Zeichnungen angefertigt hatte.

Am 20. Oktober besuchte ihn noch einmal sein Kollege Walter Lindner, mit dem er im Jahre 1930 die Motorradtour nach Paris, Brüssel und Lüttich gemacht hatte, um über die Tour noch einmal zu sprechen und die Daten richtig zu stellen. Gegen Ende des Jahres 1946 hatten sie noch Schwierigkeiten mit dem Gas und dem Licht, das während mehrerer Stunden des Tags gesperrt wurde und Alice beim Kochen viele Schwierigkeiten bereitete.

Die Folgen des Hitlerkrieges machten sich jetzt erst durch den strengen Winter bemerkbar. Es zeigte sich nun im Monat Dezember mit -10 bis -18° Kälte, sodass sie in der Stube wegen der geringen Kohlen Temperaturen unter 16° Wärme hatten. Durch die Lieferung von Pelzjacken durch Lotte war es ihnen jedoch möglich, den Winter durchzuhalten, denn es gab Tage, wo Franz vor Kälte kaum schreiben konnte, weil die Finger klamm waren.

Am 21. Dezember starb nun auch sein alter Freund Paul Leppert im Alter von 76 Jahren in Eutritzsch. Da es gerade sehr kalt war und Frau Leppert Herrn Müller gebeten hatte, sein Auto zur Verfügung zu stellen, um mit den Töchtern zum Südfriedhof fahren zu können, ist Franz zurücktreten und konnte der Beisetzungsfeier nicht beiwohnen. Er konnte also nur uch im Namen der Frau Henkel das Beileid aussprechen und blieb zu Hause, da es schwierig war, während der Frostperiode mit der Straßenbahn mitzukommen. Die Menschen hingen sogar am Ende des Wagens an den Trittbrettern. Für ihn war so etwas nicht mehr möglich. Und so kam er nach der Feier der 59. Stiftungsfestes in der TVL auch vor dem Monat Mai 1947 nicht wieder in die Stadt.

Am 2. Dezember schrieb Franz, durch eine Notiz in der Zeitung aufmerksam geworden, wegen der Auszahlung von Versicherungen an die Versicherungsanstalt des Bundesstaates Sachsen, um die Auszahlung seiner Lebensversicherung durch die Sparkasse zu erwirken. Zu Weihnachten 1946 erhielt er von Frau Henkel aus Dessau das astronomische Handbuch für 1946, von Lotte ein Paar Pulswärmer und von der Volkssolidarität 10 Mark, die er am 28. Dezember in der Josephstraße 12 abgeholt hat. Da sie zu Weihnachten wieder einmal kein Licht hatten, hat Alice zusammen mit den Kindern das Fest bei Kerzenlicht gefeiert und es wurden von Weihnachtslieder gesungen.

Im Jahre ging die Kalamität mit dem Gas und dem Licht weiter, sodass sie eine Woche um die andere bis 19 Uhr im Dunkeln sitzen mussten, da während der Zeit nach dem Dunkelwerden kein Licht gebrannt werden durfte. Zum 14. Januar erhielt Franz eine Einladung von der Sozialversicherungskasse des Bundeslandes Sachsen, um seine Eingabe vom Dezember zu erledigen. Mit der Straßenbahn kam er sehr gut hin und konnte auch bald mit einem Herrn der Versicherungsanstalt über seine Angelegenheit sprechen. Leider konnte er nichts erreichen, da er nicht in der Angestelltenversicherung war und keine einzige Quittung vorlegen konnte. Er musste sich aber vorläufig mit den Fürsorgegeldern von 28.50 RM pro Monat begnügen, da kein Ausweg gefunden werden konnte. Die Rückfahrt mit der Straßenbahn nach 12 Uhr mittags war schwierig, da die Wagen nach Lindenau übermäßig benutzt wurden und so entschloss er sich, den Fahrradweg entlang zu laufen. Da es taute, früh waren 3° Wärme, so war das Laufen gut möglich, wenn der Weg durch die Wasserpfützen auch sehr nass war, und so kam er mit etwas Verspätung nach Hause zurück.

Da er merkte, dass sein Blutdruck wieder gestiegen sein musste, ging er zu dem Heilpraktiker Jentzsch in Lindenau, der feststellte, dass sein Blutdruck auf 250 gestiegen war. Durch Einnehmen von Tropfen und Pulver wurde der Blutdruck auf 235 heruntergedrückt bis zum 3. Februar, am 11. Februar auf 228. Bis zum 17. Februar ging er noch auf 215 zurück, um dann bis Mitte Mai stehenzubleiben. Da die Tropfen in der Lindenauer Apotheke nicht zu bekommen waren, fuhr Alice ein paar Mal in die Stadt, wo sie die Tropfen erhielt, bis auch dort dieselben nicht mehr zu bekommen waren.

Am 8. April erfuhren sie, dass in Jena ein Herr Geißler aus russischer Gefangenschaft zurück gekommen war, der Grüße von Rudi an seine Mutter, übermittelt hätte. Danach befand er sich jetzt in Minsk und arbeitete genauso wie die anderen Gefangenen an der Beseitigung der Trümmer und am Neubau der Stadt, also nicht als Spezialist wie früher angenommen, da er sich nicht als Ingenieur gemeldet hatte. Sonst ging es ihm gut.

Am 19. April war Franz bei der Frau Wolf im Nachbarhaus Nr. 12, um einen Spazierstock zu holen, da die Frau gemerkt hatte, wie schwer es ihm fiel, die Straße zu überqueren und hatte darüber mit seiner Tochter Alice gesprochen, dass er einen Stock abholen könnte, da sie noch 3 Stöcke von ihrem verstorbenen Mann hätte. Er suchte sich einen passenden Stock heraus und frug gleich, ob sie in der Bibliothek ihres Mannes eine Führer durch den Harz hätte, worauf sie ihm versprach nachzusehen und sandte ihm durch ein junges Mädchen 6 Führer so z.B. ein Führer durch Blankenburg in Harz, durch Jena und Leipzig von Baedeker sowie eine Plan von Jena, eine Karte durch das Schwarzatal, eine Karte von Naumburg und Umgegend und einen Woerlführer durch Leipzig aus dem Jahre 1909, den er auch sehr gut brauchen konnte.  Als er eine Woche später wieder da war, um zu fragen, ob er die Karten noch einige Zeit behalten könne, sagte sie ihm, dass er dieselben behalten könne, sodass er sich nur noch bedanken konnte für die geschenkten Reiseführer.

Inzwischen war Herr König als Vertreter der TVL drei  Mal bei Franz, um das Buch der TVL abzuholen und über die Anordnung der Bilder für die letzte Seite zu sprechen.

Am 6. April hat Franz an den Bürgermeister von Tilburg geschrieben mit der Frage, ob seine Einbürgerungsurkunde vom 1. Juni 1941 auch in Holland Gültigkeit habe, da doch damals keine holländische Regierung vorhanden gewesen sei, als Holland durch die deutsche Wehrmacht besetzt war.

Mit den Nahrungsmitteln ging es in der russischen Besatzungszone einigermaßen, nur wurden die Kartoffeln knapp, sodass Alice anfing sie einzuteilen und, da es kein Gemüse gab, auch wieder Brennnesseln zu sammeln. Zu der Zeit hatte sie auch ein Stück Acker in der Nähe gepachtet und war gerade auch am 12. Mai dabei, neue Beete einzurichten. Es sind 10 x 15 Meter also 150 m2 Land, was sie bearbeiten kann. Samen hatte sie sich besorgt. 

Am 16. Mai holte Herr Müller Franz zum letzten Mal ab, um in die TVL zu fahren, wo er seit dem 14. Dezember nicht war wegen des damals herrschenden schlechten Wetters. Die Freude die alten Bekannten wiederzusehen war sehr groß. Es gab aber nichts zu essen und so konnte er nur 3 Glas Bier zu sich nehmen, während er den Schnaps wegen seines Blutdrucks verzichtet hat. Gegen 6 ½ Uhr abends ging es dann mit Felix Müller wieder nach Hause unter Mitnahme des neuen Anwesenheitsbuches, in das er wieder ein Bild einzeichnen sollte zu dem Kegelnachmittag, der am 15. Mai zum Himmelfahrtstag im Waldhof in Leutzsch ab 15 Uhr stattfinden soll.

Damit beendet Franz seine Lebensbeschreibung in der Hoffnung, dass es ihm weiter so gut gehen werde wie bisher und dass die Lebensmittelverteilung in Deutschland und besonders in der russischen Besatzungszone sich verbessert.

November 1945: Franz und Helene wieder in Leipzig

Da Franz als Holländer registriert war, musste er sich gleich nach seiner Rückkehr aus Wormstedt auf der russischen Kommandantur in der Döllnitzer Straße melden, wo er 1 ½ Stunde auf einen Passierschein warten musste und dann zu der Gültigkeit seiner Einbürgerung als Deutscher die Auskunft erhielt, er solle sich in der Denkmalsallee am Völkerschlachtdenkmal melden. Da die betreffende Kommandantur in Stötteritz lag hat er sich vorläufig nicht registrieren lassen. Bald darauf hat er nach dem holländischen Konsul gesucht, dessen Büro sich im Brühl bei Thorer befinden sollte, konnte aber nur das schwedische Konsulat entdecken, denn einen holländischen Konsul gab es noch nicht. Dann ging es zum Polizeiamt in der Wächterstraße, um sich nach seiner Staatsangehörigkeit zu erkundigen und wurde vom Zimmer 133 für ausländische Angelegenheiten zum Wahl- und Listenamt in der Otto-Schill-Straße geschickt, wo eine Dame ihm mitteilte, dass er auf Grund seiner Naturalisation Deutscher bleiben könnte, da Deutschland niemanden auswies. Nur wenn er Holländer bliebe, könnte es ihm möglicherweise passieren, dass er nach Holland zurückgeschickt werde. Franz entschloss sich vorläufig Deutscher zu bleiben, da er in Holland keine näheren Familienangehörigen hatte außer der Cousine Anna in Vught, den Cousin Hermann in Eindhoven und den Onkel in Balen, die er bei seiner letzten Reise im Jahre 1938 erst kennengelernt hatte. Die ganzen Angelegenheiten wie Staatsangehörigkeit, Sparkasse usw. waren so unsicher, dass er es nun lieber abwarten wollte, wie sich das Leben in Deutschland entwickeln würde.

Am 30. November 1945 fuhren wir Franz und Helene in die Wächterstraße zum Polizeipräsidium, um die Aufenthaltsgenehmigung für Leipzig zu erhalten, was sich als bedeutend schwerer erwies, als sie angenommen hatten. Durch einen  Polizisten wurde ihnen geraten, sich  beim Polizeipräsidenten Wagner zu melden der eher geneigt sei, ihnen die Genehmigung zu erteilen als die anderen Beamten, wenn er sich überzeugen konnte, dass Franz mit dem Laufen und Reisen Schwierigkeiten hätte. Leider war der Präsident nicht anwesend, sodass sie ca. 1 ½ Stunden warten mussten, bis sie endlich an die richtige Stelle kamen. Die betreffende Meldedame hatte sie inzwischen ganz vergessen zu melden, denn als Franz nochmals nachfragte, wurden sie gleich vorgelassen. Der erste Herr konnte oder wollte die Genehmigung nicht ausstellen, denn er schickte sie in ein anderes Zimmer, zu einem Herrn Müller, ein Verwaltungsangestellter, der ihnen mitteilte – nachdem er sie genügend ausgefragt hatte – dass er die Aufenthaltsgenehmigung nicht ausstellen könnte, und sie nach Wormstedt zurückfahren sollten, da die Stadt Leipzig niemanden mehr aufnehmen konnte. Er gab ihnen den Zettel vom  Wormstedter Bürgermeister zurück mit einem Brief an diesen, worin das Leipziger Polizeipräsidium alle Landräte und Bürgermeister der Orte, in denen evakuierte Leipziger Familien oder Einzelpersonen Aufnahme gefunden hatten, bittet, diesen Personen bis 1946 weiterhin Gastrecht zu gewähren. Es wird darum gebeten Herrn Franz van Himbergen und Frau Helene Henkel in Wormstedt weiterhin Unterkunft und Verpflegung zu gewähren. Franz wandte zwar ein, dass er in Wormstedt keine Stellung annehmen könnte und, dass er, da er in Leipzig durch den Luftangriff doch alles verloren hätte, etwas verdienen müsste, um weiter leben zu können. Frau Henkel schimpfte, sie seien doch keine Nazis, worauf der Herr Müller erwiderte, dass das heute jeder sage und forderte sie auf ihr ihren Ton zu mäßigen. Kurz und gut, nach einigen Überlegungen gab ihnen der Herr Müller einen Zettel und schickte sie ins nächste Zimmer zu einer Sekretärin, die ihnen dann ohne weiteres je eine Aufenthaltsgenehmigung für Leipzig zum Preise von je 2 Mark mit dem Datum des 30. November 1945 für die Wohnung Rosa-Luxemburg-Straße 10 ausstellte. Sie hatten also, obwohl der Zuzug nach Leipzig so schwierig war, die Genehmigung nach einer schweren Sitzung im Polizeiamt erreicht und konnten in der Stadt bleiben sowie die Lebensmittelkarten erhalten, was in diesen Zeiten die Hauptsache war.

Am 10. Dezember konnte Franz seinen Geburtstag wieder in Leipzig feiern, wenn auch in bescheidenem Rahmen mit Frau Henkel, Frau Bürger, Alice und den beiden älteren Kindern. Auch Suse und Otto Kuntze aus Neu-Gohlis waren nachmittags anwesend. Außer einem Buch von Lotte aus Eisenach erhielt er noch ein Thermometer und 2 Hemden, die er gut gebrauchen konnte.

Am 31. Dezember 1945 feierten sie zu Hause bei der Frau Bürger Silvester mit der Freundin Cläre und ihrem Mann Hermann, wobei Skat gespielt und zwei Flaschen Wein sowie eine Flasche Likör getrunken wurden. Es war der erste Silvesterabend, den sie seit 6 Jahren wieder in Freude erleben konnten, ohne Bombenangriffe und Kriegsgetöse.

Am 2. Januar 1946 war der Untermieter der Frau Bürger aus der englischen Gefangenschaft aus Bremen zurück gekommen, sodass sie sich nun einigen mussten, wer in welchem Zimmer leben sollte, da Franz und Helene das Zimmer des Herrn Pollak bewohnten, seit ihr Haus den Bomben zum Opfer gefallen war.  Vorläufig nahm der Herr das große vordere Zimmer, sodass sie das von ihnen bewohnte Zimmer behalten konnten.

Am 9. Januar schrieb Franz an die Karlsruher Lebensversicherung AG mit der Bitte ihm zu bestätigen, dass sie seine beiden Lebensversicherungen, die in den Jahren 1941 und 1943 abgelaufen waren, der Sparkasse der Stadt Leipzig am 30 August 1931 und am 9. Juni 1942 mit den Summen 4816,80 und 5288,45 RM überwiesen hätten. Die Antwort war aber abschlägig, denn da hieß es, die Lebensversicherung 698930 betreffend, dass die im Gebiet der russischen Besatzungsmacht laufenden Versicherungen zur Zeit ausnahmslos den von den einzelnen Länderregierungen oder anderen Behörden dort erlassenen Vorschriften und Bestimmungen unterworfen seien. Auf sein Verlangen ging die Gesellschaft also gar nicht ein. denn die Gelder sollten doch der Ersatz für seine Altersversicherungen, die er bezahlt hat und die jetzt auf der Leipziger Sparkasse eingefroren sind.

Im Monat Januar hat Franz fleißig französisch studiert, um eventuell Französischunterricht geben zu können, falls seine Pension wegfallen sollte.

Am 28. Januar 1946 konnte auch Frau Henkel ihren Geburtstag ohne Bombenangriffe und Kriegslärm feiern mit ihren Freundinnen und ihren Söhnen. Von auswärts war niemand da, weil die Bahnverbindungen doch noch zu schwierig und unsicher waren. Der Tag wurde mit einem von ihr so heißgeliebten Skat beendet werden.

Von seinem Freund Broßmann, der von Charlottenburg nach Nesselwang in Oberbayern geflüchtet war, bekam Franz ein kleines schönes Reißzeug aus Messing zugeschickt als Ersatz für das größere, das ihm beim Bombenangriff verloren gegangen war und zwar für den Fall, dass er noch einmal Gelegenheit erhalten sollte, technische Zeichnungen anzufertigen.

Am 9. Februar gab es bei ihnen eine aufregende Szene. An der Flurtür wurde heftig geklopft und als er aufmachen wollte, hinderte ihn sowohl Frau Bürger als auch Frau Henkel daran. Denn sie befürchteten, dass die Russen vor der Tür stünden. Glücklicherweise kam auch der Herr von der anderen Etage und ermutigte sie aufmachen, es wäre die Polizei. Ein russischer Polizist stürzte herein und wollte in ein jedes Zimmer eingelassen werden. Er suchte eine Frau, die einen Russen erschlagen hatte. Da die Untermieterin, die böse Frau Krakke, nicht da war, konnten sie das Zimmer nicht aufschließen. Der Mann glaubte Franz aber, dass sie keine Mörderin versteckten und suchte dann woanders weiter. Hätten sie nicht aufgemacht, so hätte der Russe sicher die Türfenster eingeschlagen. Man war gut beraten, der russischen Polizei  keinen Widerstand leisten.

Am 16. Februar zog Martel von Wedderstedt wieder zurück nach Dessau, um ihre Wohnung zu beziehen, die zwischenzeitlich von den Russen besetzt gewesen war. So sollten Helene und Franz die drei Kinder Bärbel, Monika und Sabine einstweilen aufnehmen, was sie auch getan haben. Am 18. Februar starb in Berlin die Freundin von Martha, seiner dritten Frau, an einem Magengeschwür. Er hatte sie, als Herr Macht noch lebte, mit Martha sehr oft  in Berlin-Charlottenburg besucht und dort immer schöne Stunden erlebt. Frau Elisabeth Macht ist auch nach dem Tod ihres Mannes mit Franz in Briefwechsel geblieben. Sie haben sich genau wie früher regelmäßig zu den Geburts- und Festtagen beglückwünscht.

Am 20. Februar schrieb Franz wieder mal an den Direktor der Pittler-Werke, um etwas über seine Pension zu erfahren, worauf am 26. Februar die Antwort kam, man müsse ihm leider mitteilen, dass die Pittler-Werke noch nicht mit der Fabrikation angefangen hätten und u.a. aus diesem Grunde die Auszahlung sämtlicher Renten gesperrt seien. Der Direktor gehe davon aus, dass Franz in der Zwischenzeit sicher seine Altersrente bekomme, sodass er wenigstens in diese Hinsicht über einige Geldmittel verfüge, die bei Pittler aus den bekannten Gründen nicht mehr vorhanden waren. Wann der Neuaufbau der Fertigung möglich sein werde, wäre leider nicht abzusehen, aber er hoffe doch, dass die Fortführung der Geschäfte ihnen wieder in die Hand gegeben werde. Mit dem Ausdruck seines persönlichen Bedauerns beschloss er den Brief.

Also war es mit Pittler endgültig vorbei und Franz könnte nicht darauf hoffen, noch einen Pfennig seiner Pension oder Rente zu bekommen, und so schrieb er am 1. März an das Fürsorgeamt der Stadt Leipzig über den Oberbürgermeister, um eine monatliche Beihilfe zu beantragen unter genauen Angaben der Verhältnisse seiner Sparguthaben bei der Sparkasse der Stadt Leipzig.

Am gleichen Tage nahm Herr Pollak Besitz von ihrem Zimmer, wobei Franz in das Schlafzimmer der Frau Bürger mit seinen Büchern umzog, die er in einen kleinen Damenschreibtisch der Frau Bürger unterbrachte, während Herr Pollak seinen großen Schreibtisch wie schon früher erhiel. Frau Bürger hatte sich  im großen vorderen Zimmer auf dem Chaiselogue ihr Nachtlager zurecht gemacht.

Am 4. März besuchte sie Meta, die Schwiegertochter der Frau Henkel, und brachte ihm verschiedene Bücher mit, die sie übrig hatte:

1. Ein französisch-deutsches Wörterbuch von L. Koch aus dem Jahre 1883 von Hachette aus Paris,

2. Der Band 6 des Buches der Erfindung der Erfindungen, Gewerbe und Industrien,

3. Die mechanische Bearbeitung der Rohstoffe, 8. Auflage von Professor F. Reuleaux mit vielen Bildern aus dem Werkzeugmaschinenbau aus dem Jahre 1887 mit Abbildungen von James Watt, Robert Fulton, Jackard und Arkwight,

4. Die Maschinenelemente, ihre Berechnung und Konstruktion von C. Bach, ein berühmtes technisches Buch aus dem Jahre 1901 in 2 Bänden: Text und Tafeln extra mit 57 Tafeln, Zeichnungen und 29 Tafeln, Tabellen,

5. Das Buch der berühmten Ingenieure von Richard Hennig von 1923 mit Abbildungen (Nobel, Bessemer, Fowler, Riggenbach, Intze, van Eyth, Wrigt, Diesel, Goethals, Marconi).

Da Martel erfahren hatte, dass Emil schon am 11. März 1945 in Posen im Lazarett gestorben war, entschloss sich Frau Henkel nach Dessau zu fahren, um Martel und die Kinder zu betreuen. So war Franz gezwungen, wenn er nicht nach Dessau wollte, wo er keine Zuzugsgenehmigung erhalten würde,  zu seiner Tochter Alice in die Ottostraße nach Lindenau zu ziehen. Frau Henkel wollte verschiedene Möbel und ein Bett nach Dessau transportieren lassen, was ihr auch später gelungen ist, da Frau Bürger ihr auch nur alte Möbel, die sie nicht haben wollte, hingeschickt hat, worüber sie sich sehr geärgert hat. Am 7. März telegraphierte Martel aus Dessau, dass sie sehr krank sei, sodass Frau Henkel sich entschloss, sofort nach Dessau zu fahren, nachdem sie von der Bahn die Genehmigung zum Fahren erhalten hatte.

Franz war also doch gezwungen, auszuziehen und nach Lindenau zu Alice zu fahren, wo er vorläufig bleiben wollte. Mit einem großen Koffer und seinen Anzügen, der Wäsche usw. und einem Bett fuhr er also mit Frau Henkel um 8.20 Uhr mit der elektrischen Straßenbahn nach Lindenau, wo Alice sie schon erwartete und seine wenigen Sachen abnahm. Mit dem Zuge 11.40 Uhr fuhr Frau Henkel dann schon weiter nach Dessau, um dort als Köchin und Kindermädchen ihre Tochter zu unterstützen.

Helene und Franz im März 1945: Leben in Wormstedt für sechs Monate

Durch den häufigen Fliegeralarm und den furchtbar deprimierenden Anblick der Ruinen hatte Frau Henkel die Lust verloren, noch länger in Leipzig zu bleiben. Und so entschlossen sie sich, da er ja nun pensioniert worden war, Leipzig auf einige Zeit zu verlassen und nach Wormstedt, in Helenes Heimat, zu fahren. Franz erledigte also am 28. März verschiedene Wege, nahm dann Abschied von den Kollegen und besorgte noch am gleichen Tag zwei Fahrkarten nach Niedertrebra unter Mitnahme von ungefähr 500 RM, ohne das Geld von Frau Henkel mitzurechnen, die wohl annähernd ebenso viel mitnehmen konnte. Am 29. März 1945 früh waren sie am Hauptbahnhof, nachdem sie von Frau Bürger vorher auf unbestimmte Zeit Abschied genommen hatten. Um 5.15 Uhr fuhr der Zug auch pünktlich ab. Sie trafen gegen 9.15 Uhr in Niedertrebra ein, von wo aus sie den Weg nach Wormstedt zu Fuß antraten, der ihnen von ihren früheren Fahrten hinreichend bekannt war und so kamen sie wohlbehalten gegen 11 Uhr glücklich in Wormstedt im Gasthof der Schwiegermutter von Alice an. Sie wurden von Alice, den beiden Kinder, der Schwiegermutter und der Schwägerin von Alice und deren beiden Mädels, Jutta und Doris, herzlich begrüßt. Zu Mittag gab es eine Reissuppe und darauf 2 Glas Bier. Dann ging es zu Cläre in die Brauerei und dann zu Martha, der Schwester der Frau Henkel, bei der Helene jetzt wohnen sollte, da im Gasthof nicht genügend Platz vorhanden war. Also wohnte Frau Henkel bei ihrer Schwester und Franz zusammen mit seiner Tochter Alice im Gasthof. Es ging eben vorläufig nicht anders. Während er im Gasthof übernachtete und gegen 80 Mark Pension pro Monat gut zu essen und zu trinken hatte, besorgte Frau Henkel bei ihrer Schwester die Küche und die nötige Hausarbeit während die anderen auf dem Felde waren. Während er nun im Gasthof mit Alice und seinen Enkeln früh den Kaffee einnahm mit Brot und eventuell Kuchen sowie das Mittagessen am gemeinsamen Tisch in der großen Küche dann auch mit Thekla, Lotte, ihren beiden Kindern und Otto, dem Kellner, trank er den Nachmittagskaffee meistens bei Schmidts, zusammen mit Frau Henkel und deren Schwester. Nur selten hat er bei Schmidts Mittag gegessen, da er bei Thekla in der Schänke doch in Pension war, sein Essen also im Voraus bezahlt hatte. Nachmittags besuchte er im Vorbeigehen meistens Cläre in der Brauerei sowie Herrn Welsbacher und dessen Frau Melita, eine Cousine von Frau Henkel, die in Darmstadt gewohnt hatten und nun, seit auch Darmstadt so schwer durch die Luftangriffe getroffen worden war, bei ihrer Schwester Cläre in Wormstedt wohnten und in der Wirtschaft halfen, indem auch hier Melita das Kochen usw. und Hermann Welsbacher nebenbei in der Wirtschaft mit half.

Am 31. März waren sogar Feindflieger über Wormstedt, wobei Weimar mit angegriffen wurde. Es hieß sogar, dass die Panzerspitzen der Amerikaner über Eisenach hinaus gekommen seien und die amerikanische Armee die Werra erreicht hätte. Auch wurden in Deutschland und Österreich die Städte wie Braunschweig, Brandenburg, Halle, Hamburg, Linz, Villach, Graz usw. aus der Luft immer wieder angegriffen und weiter zerstört.

Am Ostersonntag, den 1. April, hatte Lotte, die Schwiegertochter von Thekla, Geburtstag, und es gab zu Mittag Gans und Klöße, am Nachmittag dann Kaffee mit Kuchen und Torte und abends eine schöne Bowle, sodass hier vom Krieg nichts zu merken war, abgesehen von den Sirenen, die immer wieder hören waren.

Am 2. April 1945 wurde trotz des Krieges die Sommerzeit ab 2 Uhr früh wieder wie alle Jahre eingeführt, obwohl die Bauern sich kaum danach richteten, eher nach dem Wetter und der Sonne.

Am 3. April waren während der Nacht wieder Bombenflieger über dem Ort, während die Amerikaner zwischen Meiningen und Eisenach vorrückten. Auch musste man sich vor den Tieffliegern, die immer zahlreicher wurden, vorsehen. Wie Franz später von seiner Tochter Lotte erfuhr, hatten die Amerikaner am 30. Und 31. März Hersfeld besetzt, sodass man am Ostersonntag den Kanonendonner recht nahe hören konnte und die Gäste des Neulandhauses des Öfteren in den Keller gehen mussten. Trotzdem kamen die Amerikaner nicht direkt über Eisenach, sondern ließen die Stadt links und rechts vorläufig liegen. Erst vom 3. April anspürte man in Eisenach, dass die Stadt beschossen wurde. Es verging der 4. und 5. April in stetem gespanntem Warten. Manches Haus in der Stadt war getroffen und zerstört worden. Zuerst hatte es geheißen, Eisenach sei als offene Stadt erklärt worden. Dann kam die Kunde, ein SS-Trupp sei angekommen und sollte Eisenach als Festung verteidigen. Dann hieß es, der Oberbürgermeister sei mit seiner Familie abgereist, der Kreisleiter sei als Soldat ins Heer übergetreten. Dann wiederum sollte ein amerikanischer Parlamentär mit dem stellvertretenden Oberbürgermeister verhandeln und die Stadt zu übergeben. In der Nacht vom 5. zum 6. April punkt 12 Uhr veranlasste dagegen ein starker Kanonendonner alle Gäste des Neulandhauses in den Keller zu gehen. Es folgte noch ein solcher Schlag, war ruhig bis 3 Uhr früh, dann aber setzte das Bombardement ein. Die innere Stadt wurde eher geschont, die Geschosse richteten sich auf die Höhen, wo sie wohl die gegnerischen Batterien vermuteten.

Plötzlich krachte es furchtbar im Haus und die Fensterscheiben flogen heraus. Die anwesenden Herren konnten einige Brände in den Zimmern schnell löschen. Um 6 Uhr früh hörte dann das Bombardement auf und es zeigte sich, dass schwere Granaten ins Haus geflogen waren, wodurch große Löcher in den Böden der Zimmer entstanden waren. Auch der Balkon der Kunstgewerbestube war zerstört und die Balken verkohlt, ebenso der darüber liegende Balkon. Es waren Granaten von 15 cm Durchmesser, bei denen allerdings die Zünder fehlten und sie deshalb nicht explodiert waren. Es war noch ein großes Glück, dass das Haus als Ganzes noch stehen geblieben war. Die Schäden waren zwar groß, aber sie waren noch zu reparieren.

Es dauerte dann nicht mehr lange, bis sich die Amerikaner vor Apolda zeigten, und sie erhielten am 4. April vom Bürgermeister von Wormstedt den Befehl, die Parteitafel am Gasthof und alle Partei-Hoheitszeichen zu vernichten, woran Franz sich mit dem Kellner Otto Herold mit Hilfe eines Beils sofort daran machte und es dauerte nicht lange, so waren die Hakenkreuze und Parteibezeichnungen von der schwarzen Tafel abgeschlagen und entfernt.

Am 6. April erfolgte dann der letzte schwere Luftangriff auf Leipzig, wobei das Haus von Franz und Helene diesmal glücklicher Weise nicht noch einmal getroffen wurden, trotzdem auch bei diesem letzten Angriff, es war der 291., allerhand Trümmer durch Sprengschäden entstanden und Tote und Obdachlose zu beklagen waren. Außer Leipzig hatten ebenso Halle und Gera zu leiden.

Am 7. April hatten sie wieder Alarm, weil sich über Wormstedt Jäger gezeigt hatten, wobei sich in der Nähe eine Luftschlacht abspielte zwischen englischen und deutschen Fliegern und in der Nähe ein paar Flieger sogar ihr Leben lassen mussten. Sie erhielten an diesem Tag in Wormstedt die ersten Lebensmittelkarten, die Franz dann Thekla übergab, damit sie seine Lebensmittel wie Brot, Fleisch, Käse, Nährmittel usw. auch für ihn erhalten konnte.

Am 10. April zog aber zum letzten Mal deutsches Militär in Wormstedt ein und wollte sich im Gasthofsaal niederlassen und eventuell übernachten. Was die paar Soldaten eigentlich wollten, war keinem klar, denn an ein Aufhalten der anrückenden Amerikaner war doch nicht zu denken und das muss der Stab doch wohl auch eingesehen haben, denn sie zogen sich mit ihren Wagen im Laufe des Nachmittags in Richtung Saale zurück. Die Bevölkerung war darüber sehr froh, denn es hätte doch nur für das Dorf ein schlechtes Ende genommen.

Am 11. April wurde endlich in Apolda zum letzten Mal Luftalarm gegeben, wobei die Angriffe in Richtung Leipzig, Halle, Hettstedt, Weißenfels, Zeitz, Markranstädt und Merseburg erfolgten. Er war gerade mit Frau Henkel beim Bürgermeister gewesen, um wegen der Lebensmittelmarken noch verschiedenes zu erledigen, als er beim Überqueren der Straße nach Kösnitz einen starken Feuerstrahl von West nach Ost fliegen sah. Der Feuerstrahl wurde sicher durch eine nach Osten abgeschossene Granate hervorgerufen. Trotzdem er Frau Henkel bat, mit in den Keller des Gasthofs zu kommen, flüchtete sie über den Brauereihof zum Hause ihrer Schwester, um schnell nach Hause zu kommen, was ihr auch geglückt ist

Die amerikanischen Panzer kamen von Apolda die Straße entlang und schossen, da keine weißen Fahnen zu sehen waren, direkt auf Wormstedt, wobei eine Granate einen Bauernhof in Brand steckte und gleich darauf eine Granate durch den Kuhstall von Schmidts flog, ohne zu zünden oder ein Tier zu treffen und beschädigte nur das Dach der gegenüberliegenden Gebäude. Frau Henkel hatte sich inzwischen wohl in den Keller zu den anderen Familienmitgliedern retten können. Eine weitere Granate traf noch das Dach eines Nachbargebäudes.  Die Panzer kamen aber nicht direkt durch das Dorf, sondern fuhren weiter über Eckolstädt in Richtung Camburg. In Apolda war alles gut gegangen, der Bürgermeister hatte vor Eintreffen der Truppen die Schlüssel der Stadt dem betreffenden Befehlshaber der Truppen übergeben, worauf eine Beschießung der Stadt Apolda unterblieben war und die Flugzeuge in eine andere Richtung kommandiert worden waren. Von dem ersten Schreck hatten sie sich bald erholt und eine Unzahl von Panzern fuhr, von Apolda kommend, in östliche Richtung an der Nordseite von Wormstedt vorbei, ohne weiteren Schaden zu verursachen.

Am 12. April fuhren dann weitere amerikanische Panzer an Wormstedt vorbei, wobei einige in einer scharfen Kurve gegenüber dem Gasthof den Holzzaun des gegenüber liegenden Warenlagers der Lebensmittelzentrale umrissen, und weiter nach Camburg fuhren. Gegen 10 Uhr vormittags kamen dann Kanadier mit dem Gewehr unter dem Arm und sammelten Revolver und Pistolen ein, die noch im Besitz der Einwohner sein sollten. Als Franz bei Martha Schmidt war, gab sie ihm eine kleine Pistole mit Futteral von ihrem Mann. Er sollte sie auf dem Rückweg zum Gasthof abliefern. Der Kanadier mit dem Gummpriem im Munde wollte auch Munition haben, die er aber nicht hatte.  So begleitete er Franz zum Gasthof, wo er das Haus mit ein paar Soldaten durchsuchen wollte. Zuerst ging es in die vordere Wohnstube. Waffen waren keine mehr vorhanden. Im Schreibtisch, wo sämtliche Fächer geöffnet wurden, fand er eine Kiste mit Zigarren, die er an sich nahm, und sie wohl später an verschiedene junge Männer verteilt hat. Dann ging er hinauf zur Privatwohnung, wo er sich nicht lange aufhielt, da die Schlüssel nicht gleich zur Hand waren. Er besuchte nur noch den Tanzsaal und ging dann ohne weiteres zu untersuchen, nachdem er noch einen Blick in den vorderen Kaufladen geworfen hatte, wo aber keine besonderen Waren vorhanden waren. Dann ging er mit seinen Männern weiter durch das Dorf.

Für Franz und Helene war nun der Krieg vorbei. Die Nacht war ruhig, es gab kein Licht mehr und auch das Radio war still. Am nächsten Tag flogen oben eine große Anzahl Flieger in östlicher Richtung über das Dorf, während eine große Anzahl von Kanonen bis zum Nachmittag in Richtung Camburg durchfuhren. Nach 19 Uhr abends durfte nach einem Ausruf des Gemeindedieners niemand mehr auf  der Straße sein.

Am 14. April sollen die Amerikaner in Bischdorf, wo Frau Henkels Bruder Otto Lehrer war, gewesen sein, und Otto als Dorflehrer und Amtswalter gefangen genommen haben. Auch sollen in der Nähe von Merseburg Kämpfe stattgefunden haben.

Am 20. April 1945 erreichten die amerikanischen Truppen die Stadt Leipzig, wo sie auf wenig Widerstand stießen. Die Pittlerische Fabrik wurde schon am 19. April durch die Amerikaner besetzt, sodass von da an niemand mehr die Fabrik betreten konnte.

Beim Einzug der Amerikaner wollte aber Herr Schulte, der Einwohner aus der ersten Etage ihres Leipziger Hauses, bei Frau Bürger ein Maschinengewehr aufstellen, um auf die einrückenden Truppen zu schießen und Leipzig noch zu verteidigen. Glücklicherweise konnten die anderen Männer des Hauses diese Dummheit noch rechtzeitig verhindern. Von Berlin wurde nach der Übergabe der Stadt durch das Radio zwar von Goebbels gerufen: Pfui für Leipzig und pfui für Halle, die sich ohne Kampf ergeben hatten. Jedenfalls waren die Leipziger und die Hallenser froh, dass das Kriegsende fast ohne Kampf gekommen war. Die Amerikaner, die sich nun vom Atlantikwall, von Köln oder vom Rhein bis hierher durchgeschlagen hatten, hatten nicht viel zu tun, da sowohl das Militär als auch die Gestapo und alle Naziformationen das Weite gesucht hatten.

Der Oberbürgermeister von Leipzig Freyberg hat sich zuletzt, nachdem alles aus dem Rathaus geflüchtet war, mit seiner Frau und seiner etwa 18jährigen Tochter mit Zyankali umgebracht. Andere Stadtgrößen wie Dönicke, Strobel usw. wurden schließlich erschossen aufgefunden. Der Krieg war auch für Leipzig vorüber.

Sie lebten ruhig weiter in Wormstedt, während Rudi, sein Schwiegersohn, beim Abmarsch von Leipzig in Richtung Torgau und dann weiter nach Nordosten am 7. Mai mit seinen Kameraden durch die Russen gefangen genommen wurde und wohl bis gegen Ende 1948 in Gefangenschaft gehalten werden wird, wie vor kurzem bekannt gegeben worden war. Hoffentlich kommt er aber gesund und munter zurück, da es ihm, wie er schreibt bis heute (1947) einigermaßen gut gegangen ist, was sie auch wünschen.

Durch Wormstedt kamen des öfteren ausländische Arbeiter z.B. Holländer und Franzosen, die nach der Heimat zurück liefen. Drei Holländer aus Böhlen bei Leipzig fuhren z.B. per Rad nach Rotterdam und Utrecht, denen Franz Nachrichten an seine Cousine nach Vacht und seinen Cousin nach Eindhoven mitgegeben hat. Auch an Lotte hatte er Gelegenheit, einen Brief durch einen Berliner mitzugeben. Franzosen hat er ebenfalls Briefe mit nach Brüssel gegeben, obwohl er nicht daran glaubte, dass sie ihren Adressaten erreichten, trotzdem er die Betreffenden freigehalten hat, Denn sein Freund Pierre Flammand und seine Cousine in Holland haben, wie sie später schrieben, keine Nachricht von ihm erhalten.

Am 17. April sollen die Russen schon in Dresden gewesen sein und die Elbe überschritten haben. Die Russen und die Amerikaner sollen sich um den 20. April in Berlin vereinigt haben. Auch Stettin ist durch die Russen eingenommen worden. Am 25. April trafen sich die Amerikaner und die Russen bei Torgau, wo sie aber erst die Brücke wieder in Stand setzen mussten, um sich die Hände reichen zu können. Hier hatte die Vereinigung der West- und Ostarmeen stattgefunden. Von München bis herauf nach Stettin war Deutschland von Süden nach Norden durch die alliierten Truppen besetzt, wobei Hitler mit einigen Getreuen sich in Berlin immer noch verteidigen wollte.

In Wormstedt wurde um diese Zeit viel gestohlen und vernichtet  wahrscheinlich durch die Polen, die von den Amerikanern unterstützt wurden. Z.B. wurde das Auto der Brauerei mit mehreren Kugeln durchschossen und somit unbrauchbar gemacht. Besonders Frau Thierrolf hatte unter den Diebereien sehr viel zu leiden, denn alle Wochen wurde das Vieh gestohlen, trotzdem sie alle Nächte die Lampen brennen ließ, denn der Strom war inzwischen wieder da. Später stellte sich aber auch heraus, dass ihre Untermieter an den Diebstählen beteiligt waren. Auch Bierfässer sind gestohlen worden. Bei Schmidts dagegen wurden öfters Eier und Hühner requiriert.

Am 1. Mai zahlte Franz zum ersten Mal sein Pensionsgeld von 80 Mark, das Thekla nicht annehmen wollte. Zuletzt ging sie darauf ein und er zahlte dasselbe wie die Frauen Stumpf und Godesberg, die schon längere Zeit in Wormstedt im Gasthof wohnten und mit denen er immer gut ausgekommen ist. Besonders die ältere Schwester hat ihn sehr gut versorgt, während es ihm gesundheitlich nicht gut ging, und besonders nachdem er zwei Mal in der Gaststube durch zu schnelle Bewegungen ausgerutscht und wiederholt auf den linken Arm gefallen war, wodurch er durch einen Bluterguss den Arm kaum bewegen konnte. Zu Mittag hat sie ihm öfters das Essen ans Bett gebracht, ebenso früh den Kaffee mit den Broten, wofür er ihr sehr dankbar war. Nachmittags ist er dann immer aufgestanden und hat unten Kaffee und Abendbrot eingenommen. Sonst ging er vormittags regelmäßig zu Schmidts herüber, um Frau Henkel zu besuchen, die immerzu mit dem Kochen zu tun hatte, wobei er unterwegs in der Brauerei Frau Cläre Thierolf und Hermann Welsbucher aus Darmstadt mit seiner Frau Melitta besuchte, um aus der Bibliothek von Willy Bücher oder Reiseführer auszuwechseln, die er dann nach und nach ausgelesen hat.

Am 2. Mai erfuhren sie, dass Hitler sich im Reichskanzlerpalais am Wilhelmsplatz in Berlin das Leben genommen hatte zusammen mit seiner Braut, die er vorher geheiratet haben soll. Jedenfalls hat er sich, wie die meisten, die die große Schuld an dem unglücklichen Krieg trugen, nicht gefangen nehmen lassen wollen durch die siegreichen sowjetischen Armeen, die bereits seit dem 23. April in Berlin gegen die Hitlerarmee kämpften.

Am 7. Mai 1945 erfolgte dann die deutsche Kapitulation in Reims früh 2.40 Uhr in einem Schulgebäude und am 9. Mai feierten die Alliierten den Siegestag in London. Der Terror der nationalsozialistischen Partei hatte endlich ein Ende gefunden und die Hauptschuldigen an diesem Kriege wurden später in Nürnberg zum Tode verurteilt, außer Hitler gelang es noch Goebbels und Göring sich, bevor sie durch den Strang hingerichtet werden sollten, mit Gift das Leben zu nehmen.

Leider hatte Alice in Wormstedt Sorgen um die kleine Helga, die nicht so richtig zunehmen wollte, sodass sie mehrmals egal bei welchem Wetter mit ihr nach Apolda gefahren ist, um Helga bei der Ärztin untersuchen zu lassen. Ob es an der Nahrung lag oder an was sonst, konnte nicht festgestellt werden. Jedenfalls hat Helga später, als Alice wieder in Leipzig war, ihr Normalgewicht erreicht und ist ganz gesund geworden. Da Alice durch ihre Nachbarin, Frau Weber, erfahren hatte, dass die Gefahr bestand, dass ihre Wohnung durch das Wohnungsamt anderweitig vergeben werden sollte, fuhr sie am 28. Mai zusammen mit einer Bekannten aus Wormstedt mit dem Rade nach Leipzig, fand aber in Leipzig-Lindenau alles in bester Ordnung. Nach Rücksprache mit dem Wohnungsamt kam sie mit dem Rade am 31. Mai zurück, war aber gezwungen, in Camburg in der Schule zu übernachten, weil es dunkel geworden war, und so musste sie in Begleitung der Frau die Nacht in der Schulklasse verbringen und durfte erst am anderen Tag weiter fahren.

Am 2. Juli 1945 marschierte die sowjetische Armee in Leipzig und die amerikanische Armee zog sich nach Westen zurück. Es war jedenfalls in Potsdam ausgemacht worden, dass die Russen Deutschland bis zur Werra und bis zum Harz besetzen sollten und die Amerikaner und Engländer Mecklenburg, bis zur Elbe und die Provinz Hannover besetzen sollten, sodass sie damit rechnen mussten, hier in Thüringen eine russische Besatzung zu erhalten, was dann auch am Nachmittag des 3. Juli erfolgte. Die russischen Truppen kamen von Camburg her durchmarschiert, wobei sich ein Musikcorps vor den Gasthof stellte und dauernd spielte. Der Durchmarsch dauerte mindestens 3 bis 4 Stunden, wobei Franz feststellen konnte, dass die Soldaten sehr ungleichmäßig liefen und auch müde zu sein schienen. Jedenfalls war es mit der Ordnung unter den Truppen nicht weit her, wo sie an den preußischen Drill gewohnt waren. Dicht hinter Wormstedt in der Nähe der Windturbine wurde dann wohl biwakiert unter Zelten und Planen. Wie es dort am anderen Morgen ausgesehen hat, wo tausende von Soldaten übernachtet haben, kann man sich wohl denken. Überall Schmutz und Kot. Am anderen Tag ging es dann weiter nach Westen über Apolda nach Erfurt, Gotha und Eisenach bis zur Werra, wo dann die sogenannte russische Besatzungszone aufhörte und die amerikanische Zone begann. Etwas nördlicher bei Hanoversch Gmünden und Göttingen nach Goslar und Braunschweig  zu waren die Länder durch die Engländer besetzt. Die Einteilung von Deutschland in vier Zonen zwischen Russland, den Vereinigten Staaten, England und Frankreich war also vollzogen worden, wobei das Land östlich der Oder und der Lausitzer Neiße außer des nördlichen Teils von Ostpreußen einschließlich Königsberg, dass ebenfalls durch Russland besetzt wurde, unter polnische Verwaltung kam. Das war also nun Hitlers Werk. Anstatt ein großes geeinigtes Deutschland ein zerrüttetes Deutschland ohne Ostgebiete und ohne eigentliche Regierung abhängig von der Gunst der Alliierten, wobei Holland, Belgien und Frankreich sich noch Grenzteile im Rheinland zu sichern versuchten.

Seit dem 7. Juli 1945 wurde auch schon die russische Sommerzeit in Thüringen eingeführt, sodass die Uhren gegen die normale Zeit um 2 Stunden vorgestellt werden mussten, wenn man mit der Eisenbahnzeit gehen wollte.

Seit dem 1. Juli hatte Franz früh von 10 bis 12 Uhr eine Stunde Schulunterricht eingeführt, da die Kinder immer noch keine Schule besuchen konnten und in Schreiben, Lesen und Rechnen ziemlich weit zurück waren. Außer den beiden Mädels Doris und Jutta aus der Schenke beteiligten sich noch die Kinder von Schmidts, Walter und Christel daran. Auch die Frau Sturm übernahm einige Kinder aus der Brauerei. Es wurde also abwechselnd gelesen, geschrieben und gerechnet, was so lange ging, bis die Lust bei den Kindern nachließ und bald darauf die Schule durch die Lehrerin wieder eröffnet werden konnte. Am 15. Juli war in der Familie ein großer Festtag, denn da wurde die kleine Helga in der Wormstedter Kirche getauft, wozu Franz 20 Mark spenden konnte. Persönlich konnte er der Taufe nicht beiwohnen, weil er das Bett mit einem Umschlag um den Arm hüten musste. Gegen Ende des Monats Juli erhielt Alice auch zum ersten Mal eine Nachricht von ihrem Mann Rudi aus Posen durch einen Heimkehrer in Altengönna. Alice ist auch dorthin gefahren mit dem Rade und konnte wohl erfahren, dass es Rudi soweit gut ging und er gesundheitlich nicht zu leiden hatte. Der Mann war entlassen worden,weil er krank war und überbrachte die mündlichen Grüße von Rudi. Weiter konnte sie wohl auch nichts erfahren, war aber doch froh, endlich einmal eine Nachricht erhalten zu haben.

Die Post ging aber immer noch nicht, sodass er mit Lotte und seinen Leipziger Bekannten nur durch Leute aus Wormstedt in Verbindung bleiben konnte, so z.B. mit seiner Tochter Lotte durch die Bereitwilligkeit des Polizisten Fix, der mit dem Rade nach Eisenach fahren wollte und durch die Bäckers­tochter, die zufällig nach Leipzig kam und eine Karte für Herrn Leppert mitnehmen konnte.

Am 7. Juli 1945 besuchte ihn ein gewisser Herr Rosenkranz, der des Öfteren nach Wormstedt kam und der für ihn einige Briefe nach Leipzig mitnehmen und einen Brief an Herrn Direktor Paul persönlich übergeben wollte, wodurch Franz die Gelegenheit hatte einmal zu fragen, wie es nun eigentlich mit der Auszahlung seiner Pension bei der Firma Pittler stand. Da erhielt er am 2. August durch Herrn Rosenkranz die Antwort, dass in Leipzig allerhand los sei, aber Franz solle deshalb die Hoffnung nicht aufgeben. Wegen der Pension teilte wurde Franz mitgeteilt, dass die Firma die Pensionen ab 1. Mai allgemein auf die Hälfte hatte heruntersetzen müssen, da die Möglichkeiten des Verkaufs der Erzeugnisse außerordentlich eingeschränkt seien. Die Firma hoffte aber, dass es sich in dieser Beziehung bald bessere und ihm stehe ein entsprechender Betrag, wenn er vorbeikäme, zur Verfügung. Leider hat sich die Sache nicht zu seinen Gunsten erfüllt wie sich später herausstellte.

Wie sie erfahren haben, ist der Sohn Rudi von Frau Henkel in Ballendorf bei Bad Lausick nach dem Einzug der Amerikaner zum Bürgermeister ernannt worden, trotzdem er gar keine Erfahrung hatte in einem solchen Amt. Er ist es auch nur so lange geblieben, bis die kommunistische Partei die Mehrheit der Stimmen hatte. Beim Sieg der liberalen Partei im Dorfe musste er wieder zurücktreten und sein Amt als Bürgermeister der anderen Partei abgeben.

Am 13. August 1945 wollte Franz bei der Post 50 oder 100 Mark von seinem Postsparbuch abheben. Leider war das nicht mehr möglich, da die Sparkasse in Wien nicht mehr auszahlen konnte, da sie auch bei der Post gesperrt – oder wie man so sagt – eingefroren waren.

In dieser Zeit erfuhr Franz auch, dass bei der Firma Pittler 4 Mann abgeführt worden waren, darunter auch Herr Michael, der ihn zuletzt noch dazu bringen wollte, beim Betreten der Fabrik mit Heil Hitler zu grüßen. Am 16. August tauchte plötzlich Frau Weber auf, die Nachbarin von Alice im Parterre, um ihr mitzuteilen, dass die Wegnahme der Wohnung in Lindenau wieder akut geworden sei. Und so war Alice gezwungen am 17. August mit Frau Weber nach Leutzsch zu fahren. Leider fuhr der Autobus nicht, weil der Wagen wieder einmal in Reparatur war und so mussten sie mit dem Wagen nach Niedertrebra gebracht werden, um den Zug noch zu erreichen. Es war immer eine langweilige Fahrt von Naumburg aus über Teuchern nach Weißenfels, wo umgestiegen werden musste, weil ja die Brücken über die Saale zwischen Naumburg und Weißenfels von den zurückweichenden Deutschen stark beschädigt worden waren. Von Weißenfels aus fuhren dann direkte Züge nach Halle und Leipzig. In Leipzig-Lindenau  konnte Alice jedenfalls die Angelegenheit mit der Wohnung wieder gut erledigen, denn am 20. August kam sie schon mit Frau Weber wieder gegen 17 Uhr zurück. Jedenfalls war Alice gezwungen, nach Leipzig-Lindenau zurückzukehren, wenn ihr die Wohnung durch das Wohnungsamt nicht weggenommen werden sollte. Denn am 21. August fuhr sie zusammen mit Frau Henkel nach Leipzig, die auch wieder einmal nach dem Rechten sehen und auch zu ihrer Tochter nach Wedderstedt wollte. Frau Henkel hatte die Absicht, in Leipzig Frau Bürger zu besuchen, um sich nach unserer Wohnung zu erkundigen und dann nach Wahren zur Fabrik zu gehen, um seine Pensionsgelder zu holen und dann über Wedderstedt und Halle zurückzukommen. Der Frau Bürger nahm sie wohl einige Lebensmittel mit, da es in Leipzig sehr knapp zuging, und Elfriede sehr über Hunger geklagt hatte. In der Pittler-Werkzeugmaschinenfabrik hat sie wohl mit Herren Paul und Sommer gesprochen und hat das Geld 206,40 Mark für die Monate April und Mai und 140 Mark für Juni und Juli, also zusammen 346,40 Mark vom Kassierer erhalten. Dabei wurde erwähnt, dass das Geld für die Pensionen von der Direktion zurückgestellt worden sei, damit es nicht in die Hände der Amerikaner gerate, und wie es nun später werden würde, wussten die Herren selbst nicht, da das Werk durch die amerikanische Armee besetzt worden war. Die alte Direktion mit Herrn Dr. Fehse und Herrn Will an der Spitze sowie die Konstrukteure Fritz Müller vom Maschinenbau und einige andere Herren waren von den Amerikanern nach dem Westen in der Nähe von Frankfurt am Main befördert worden.

Franz war jedenfalls vorläufig froh, seine ersten Pensionsgelder durch den Besuch der Frau Henkel in Leipzig-Wahren erhalten zu haben. Am 22. August kam Alice mit der Frau Weber aus Leipzig zurück, während Frau Henkel vom 23. bis 24. August bei Martel in Wedderstedt geblieben war.

Beim Umsteigen in Teuchern traf sie dann auch Alice und Frau Weber mit den drei Kindern, die von Niedertrebra aus unterwegs war nach Hause. Wenn die Fahrt mit den drei Kindern besonders beim Umsteigen in Teuchern, wo sie mit dem Kinderwagen zu den russischen Soldaten einsteigen musste, auch nicht gerade angenehm war, so sind sie doch alle glücklich in Leutzsch angekommen und Alice konnte wenigstens wieder Besitz nehmen von ihrer Wohnung. Am Tage vor der Abfahrt, Helga hatte am 23. August gerade Geburtstag, da wurde Alice abends gegen 11 Uhr telephonisch aus dem Bett gerufen, um von Lotte in Eisenach die Glückwünsche für Helga entgegen zu nehmen. Auch die Oberin des Neulandhauses, die bei der Helga Patin war, ließ herzlichst grüßen und wünschte alles Gute.

Am 27. August erhielt Marie Schmidt zum ersten Mal Nachricht von ihrem Mann Fritz, der seit 1945 in russischer Gefangenschaft war durch einen Rückkehrer aus Jena, der Grüße von Fritz zu übermitteln hatte. Am gleichen Tag hatte auch Japan den Krieg verloren und das Land wurde durch 10000 Amerikaner besetzt. Da die Post wieder in Betrieb gekommen war, konnten sie beliebig oft mit Leipzig, Eisenach von Ende August ab schreiben, während man bisher nur durch Wanderer und Bekannte, die zufällig nach Leipzig, Berlin oder Eisenach reisten, miteinander schreiben konnte und immer nicht sicher war, ob die Briefe richtig abgeliefert wurden.

Am 14. September hatte Franz die Absicht nach Eisenach zu fahren, um Lotte zu besuchen, musste aber davon absehen, weil die Bahnfahrt zu schwierig geworden war und für ihn allein zu gefährlich werden konnte. Dafür kam Martel aus Wedderstedt nach Wormstedt, um ihre Freundin in Pfuhlborn zu besuchen, und wenn möglich, auch etwas von hier mitnehmen zu können.

Inzwischen war Alice mit Frau Weber wieder in Wormstedt gewesen, um Kartoffeln zu holen, da es in Leipzig mit der Lebensmittelzuteilung sehr schlecht stand. Mit gefüllten Rucksäcken fuhren die beiden dann nach Leutzsch zurück.

Inzwischen war der alte Bürgermeister durch die Russen abgesetzt worden, weil er früher Mitglied der Partei war und durch einen anderen Bauern ersetzt worden, der keiner Partei angehört hatte.

Auch im Monat Oktober kam Alice noch einmal, um etwas zu holen, mit der Frau Weber von Camburg her und fuhr am 10. Oktober mit dem Lastauto des Herrn Höltz aus Naumburg, der zufällig Kohlen gebracht hatte für den Gasthof und das Dorf über Camburg bis Naumburg zurück, um dann mit der Bahn wieder nach Leutzsch zu gelangen.

Am Gewicht hatte Franz in Wormstedt nicht viel abgenommen, denn beim Nachwiegen betrug sein Gewicht mit Sachen immer 67 gegen 68 kg im Monat Juni. Am 9. Oktober 1945 hatte er wohl zum letzten Mal Gelegenheit, mit holländischen Soldaten zu sprechen, die aus Livland zurückkehrten und nach Holland unterwegs waren. Am 18. Oktober fuhr Frau Henkel mit ihrer Schwester nach Jena zu fahren, um bei ihrem Bruder Adolf, den Geburtstag von Alma, der Fleischersfrau, zu feiern. Erst am 20. Oktober kamen die beiden aus Jena zurück und zwar sehr zufrieden gestellt, denn beim Fleischer gab es doch immer etwas Gutes zu essen und ganz besonders in Jena. Das Haus in der Dornburger Straße ist glücklicherweise wenig beschädigt worden durch die Fliegerangriffe, trotzdem die innere Stadt fast vollständig demoliert worden war durch die vielen Bombenangriffe gegen die Zeisswerke und die Schottwerke.

Am 20. Oktober teilte ihnen der neue Bürgermeister von Wormstedt mit, dass bis zum 15. November alle Leipziger oder sächsischen Einwohner zurückzukehren hätten, wenn sie das Wohnrecht in Sachsen nicht verlieren wollten und sie sollten sich ebenfalls so einrichten, dass sie bald wieder nach Leipzig zurück kämen, da die Gemeinde ihnen nicht länger die Aufenthaltsgenehmigung erteilen könnte.

Durch Rose von der Gönne aus Bischdorf erfuhren sie, dass Frau Henkels Bruder Otto sich in Cherbourg in der Normandie in Gefangenschaft befand. Der arme Schwager, der wie so viele andere mit Hitlers Sieg gerechnet hatte. Da er Lehrer und politischer Leiter war und im Sinne der Partei die Klasse geleitet hat, wird er sich wohl schwer wieder umstellen können, trotzdem auch er nur das Beste gewollt hat. Vielleicht wird er aber durch die inzwischen erfolgten Aufklärungen sich doch umgestellt haben, sodass er wieder entnazifiziert werden kann, denn er hat sicher nur das Beste gewollt und ist ebenfalls wie so viele andere durch die schönen Reden der Parteigenossen, die er leider auch vertreten und geglaubt hat, irregeführt worden.

Nach einer nochmaligen Rücksprache mit dem Bürgermeister schien es nicht möglich, noch länger in Wormstedt zu bleiben, da das Dorf selbst aus dem Osten ausgewiesene Einwohner aus Schlesien aufzunehmen hatte. Sie richteten sich also ein, Wormstedt zu verlassen und ließen durch das Auto des Herrn Holz in Naumburg je 1 Zentner Kartoffeln und 2 Säcke Gemüse verladen an die Adresse seines Freundes Felix Müller in Leipzig-Lindenau, Lützner Straße, der Franz versprochen hatte, die Säcke weiter zu befördern mit dem Elektrokarren an Alice, an Frau Bürger, wofür er einen Sack Kartoffeln und einen Sack Möhren für sich nehmen konnte gegen Bezahlung natürlich. Die Säcke sind dann später, als sie in Leipzig waren, auch richtig angekommen und verteilt worden.

Ende Oktober besuchten sie noch Ernst aus Leipzig und Erich aus Berlin auf der Suche nach Lebensmitteln. Erich konnte ein Paket von Thekla, der Schwiegermutter, für Alice mit nach Leipzig nehmen. Auch Martel war aus Wedderstedt wieder da bei Schmidts, um etwas zu holen.

Am 4. November aß Franz am Sonntag auch zum letzten Mal Gänsefleisch mit Klößen, denn es war klar, dass sie in Leipzig nicht sogleich wieder eine Gans erhalten würden.

Von Welsbäcker erhielt er noch ein schönes holländisch-deutsches Wörterbuch, das er später sehr oft benutzt habe.

Nachdem ihnen der Bürgermeister am 12. November 1945 die Abmeldungsscheine ausgestellt hatte, fuhren sie  nach Niedertrebra, wo der Zug um 12.45 Uhr abfahren sollte und nahmen zwei Fahrkarten III. Klasse direkt nach Leipzig Hauptbahnhof. Der Zug war voll besetzt, sodass Franz kaum einen Sitzplatz in einem alten III. Klassewagens mit zerbrochenen Fensterscheiben erhalten konnte. Nur durch die Höflichkeit eines Soldaten konnte er sich gerade noch hinsetzen bis Weißenfels, wo sie umsteigen und ziemlich lange warten mussten, bis der Zug nach Leipzig abfuhr. Hier bekam er mit Frau Henkel einen guten Sitzplatz. Sie kamen ziemlich pünktlich in Leipzig an und, während Frau Henkel vorwegging, lief er allein mit einem Päckchen hinterher, das ein kleines Huhn enthielt, das er unterwegs bald verloren hätte, denn der Kopf und der Hals des Hähnchens hingen heraus, sodass ihm am Kristallpalast eine Frau sagte, „sehen Sie sich vor, dass ihnen die gak-gak nicht weggenommen wird. Denn so etwas bekommt man hier in Leipzig nicht“. Franz steckte den Hals so gut es ging wieder in das Paket und ging eben weiter, denn er merkte schon, wie schwer es ihm das ungewohnte Laufen vom Bahnhof bis zur Wohnung in der Tauchaer Straße Nr. 10 II fiel und war sehr froh, als er endlich dort war.

Frau Henkel war natürlich schon lange eingetroffen und hatte Frau Bürger schon begrüßt und war beim Auspacken. Sie bekamen ihr schönes Zimmer mit dem großen Schreibtisch und den zwei großen Betten mit ihren geretteten Bettbezügen. Während Frau Henkel wieder die Küchenarbeit und Frau Bürger das Saubermachen und die anderen Hausarbeiten übernahm. Franz konnte sich nun nach einer Abwesenheit von 6 ½ Monaten am Schreibtisch wieder einrichten. Zuerst ging er zur Polizeiwache, um sich wieder anzumelden, was eigentlich nicht nötig war, weil er nicht abgemeldet worden war. Er musste jedoch die Scheine für die Polizei ausfüllen, um die Zuzugsgenehmigung für Leipzig zu erhalten, da er und Frau Henkel nicht mehr das Recht hatten, in Leipzig zu wohnen, weil sie 6 ½ Monate abwesend gewesen waren. Er stellte für Frau Henkel und sich also einen Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung für die Stadt Leipzig, mit der Angabe, dass sie, weil sie Wormstedt bis zum 15. November 1945 Thüringen zu verlassen hatten und doch in Leipzig polizeilich gemeldet und ansässig waren und in Wormstedt nur zu Besuch gewesen seien.