Die Familie van Himbergen

Der Vater meines Großvaters, François van Himbergen, wurde im Dorf Netersel der Gemeinde Bladel in der Provinz Nord-Brabant (Südholland)

Das Haus der Familie van Himbergen in Netersel

am 4. Oktober 1844 und die Mutter Marie Anne Booth in Legsby bei Market-Rasen, Grafschaft Lincolnshire (England) am 12. August 1841 geboren. Aus ihrer Ehebescheinigung geht hervor, dass sie am 26. Februar 1870 in der Kirche der Gemeinde Saint-Josse-ten-Noode getraut worden sind.

Während die Mutter des Großvaters bei einer Familie in Schaerbeek bei Brüssel als englisches Kinderfräulein angestellt war, ist nicht geklärt, wie und warum der Vater nach Brüssel gekommen ist und unter welchen Umständen die Eltern sich zuerst getroffen haben. Vielleicht hat er die französische Sprache und die Buchführung für das später zu errichtende Geschäft in Brüssel erlernen wollen?

Ein englisches Wörterbuch des Vaters, das, mit dessen Unterschrift versehen, im Besitz des Großvaters war, datiert aus dem Jahr 1867. Sollte er das Wörterbuch wegen der Verständigung mit Marie Anne Booth gekauft haben, so kann man wohl das Jahr 1868 oder 1869 als Zeit ihrer ersten Bekanntschaft annehmen.

Gleich nach Ihrer Hochzeit sind die Eltern nach Tilburg in Nord-Brabant gezogen, damals bekannt für die Herstellung von Textilwaren, wo der Vater sich sicher in einer Wollstofffabrik als Vertreter für die Stadt Brüssel ausbilden lassen wollte. Von seiner Tante Dominika, die Nonne bei den schwarzen Schwestern war, hörte der Großvater einmal, dass sein Vater besser daran getan hätte, in Bladel zu bleiben, da wäre er vielleicht Bürgermeister des Dorfes geworden. Aber er hätte wohl keine Lust gehabt, Bauer oder Müller wie sein Bruder zu werden, und wollte sich lieber in der Großstadt als Vertreter in Wollstoffen niederlassen.

Am 22. Oktober 1870 wurde dann das erste Kind, der Bruder meines Großvaters, Georg François Maria, geboren. Den Namen Georg erhielt er sicher nach seinem in England lebenden Großvater mütterlicherseits, Georges Booth, den Namen François nach seinem Vater. Der Name Maria war im katholischen Teil von Holland als Beiname für Knaben zu Ehren der Mutter Maria üblich. Der Bruder starb, noch bevor der Großvater geboren wurde, am 20. Mai 1871 im Alter von nur sieben Monaten.

Heiratsurkunde der Eltern0001
Die Geburtsurkunde
Heiratsurkunde der Eltern samt Ubersetzung0002
Die deutsche Übersetzung

Sechs Monate später am 10. Dezember 1871 wurde der Großvater geboren und getauft auf den Namen Joseph François Maria.

Geburtsurkunde-Zweitschrift
Geburtsurkunde-Zweitschrift

Am 6. Oktober 1873 erblickte die Schwester des Großvaters, Louise Maria Théresia, das Licht der Welt.

Am 26. Juni 1876 wurde der jüngste Bruder geboren. Er wurde auf den Namen Jean François Georges getauft. Der zweite Zuname kam vom Vater und der dritte Name zu Ehren des englischen Großvaters George Booth.

Alle Kinder wurden noch am gleichen Tag getauft. Es war bei den Katholiken auch in Brüssel Sitte, die neugeborenen Kinder so schnell als möglich taufen zu lassen, um zu vermeiden, dass sie etwa als Heiden sterben könnten. Deshalb sind auch die Kinder der Familie van Himbergen entweder am gleichen Tage oder, wenn die Geburt abends erfolgte, gleich am nächsten Tag getauft worden. Sicherlich hat die Tante Dominika, die gleichzeitig des Großvaters Patin war, immer darauf gedrungen. Die Mutter als katholische Engländerin war wohl ebenfalls für eine sofortige Taufe, denn gerade im reformierten England waren die Katholiken, weil sie in der Minderzahl waren, besonders fromm.

Außer der Tante Dominika hatte der Großvater noch zwei weitere holländische Tanten. Die eine lebte in Overijse südöstlich von Brüssel ebenfalls in einem Nonnenkloster. Mit der Mutter hat er auch diese Tante einige Male besucht. In Brüssel selbst wohnte eine zweite Tante, die mit einem Hutmacher, Herrn Wyngarden, verheiratet war, der ein gutgehendes Hutgeschäft besaß. Oft war die Mutter zum Kaffee eingeladen, wobei er seine Cousine, Emma Wyngarden, kennenlernte. Bei seinen späteren Besuchen in Brüssel haben sie sich  regelmäßig getroffen.

Aber auch in England hatte der Großvater zwei Tanten, die Schwestern seiner Mutter, Elisabeth und Charlotte, und einen Onkel, Paul Booth, dessen beide Söhne, John und Vincent, der Großvater später 1929 auf seiner Englandreise auch besucht hat.

Am 4. September 1888 kam der Großvater nach Leipzig, um bei Wilhelm von Pittler in die Lehre zu gehen. Er wohnte in der Villa des Erfinders unterm Dach und lernte dort auch seine spätere im Jahre 1875 geborene Frau, Elsa Müller – die Nichte der Frau von Pittler, kennen. Sie heirateten am 18. Juli 1896 in Leipzig.

Trauschein 1. Ehe
Trauschein 1. Ehe

Die Hochzeit fand im Leipziger Rathaus und darauf in der Kirche Sankt Petrus statt. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. In Leipzig wurden Charlotte 1898 und Herbert 1900 geboren, 1910 meine Mutter Alice Luise in Merseburg.  Im Jahre 1916 starb meine Großmutter an einer Lungenerkrankung infolge der durch den Krieg bedingten mangelhaften Ernährung.

Die zweite Ehe des Großvaters kam über die Vermittlung Dora von Pittlers zustande. Maria Seewald aus Wolfratshausen bei München lernte er kennen, als er Dora von Pittler mit seinen beiden Töchtern in Bad Kösen besuchte. Die bürgerliche Trauung fand im Monat September 1918 auf dem Standesamt in Leipzig und die kirchliche Trauung in der katholischen Kirche zu Wolfratshausen statt. Eine Heiratsurkunde von dieser zweiten Ehe ist leider nicht mehr vorhanden. Die Verbindung währte allerdings nicht lange. Maria starb am 20. Mai 1919 an den Folgen einer zweiten Operation, die notwendig wurde, weil die Ärzte eine Schere o.ä. bei der ersten OP vergessen hatten.

Nachdem er von Marias Schwester Anna einen Korb erhalten hatte, beschloss der Großvater, in dem illustrierten Familienblatt „Gartenlaube“ eine Annonce aufzugeben. Beim zweiten Anlauf klappte es. Auf die Annonce hin meldete sich eine Martha Kuchenbecker aus Bremen, mit der er schnell einig wurde. Geheiratet wurde am 21. Mai 1920 auf dem Standesamt der Stadt Köslin.

Heiratsurkunde 3. Ehe0001
Heiratsurkunde 3. Ehe0002

Nach diesem standesamtlichen Akt ging es zur Stadtkirche, wo nach evangelischem Ritus die kirchliche Feier vollzogen wurde. Am 1. November 1922 starb Martha während eines Besuches bei ihrer Mutter in Köslin an den Folgen einer Rippenfellentzündung.

Lange wollte der Großvater nicht allein bleiben, da seine Tochter Alice erst 12 Jahre alt war und seine älteste Tochter Lotte Aussicht auf eine Stellung als Sekretärin in Eisenach hatte. Durch Vermittlung eines Kollegen lernte er die Witwe Helene Henkel, eine geborene von der Gönne, kennen, die 6 Kinder hatte: Erich, Ernst, Rudolf, Martin, Heinz und Martel. Mit Helene lebte der Großvater bis 1946 zusammen. Ein Bombenangriff auf Leipzig am 27. Februar 1945 veranlasste sie die Stadt für einige Zeit zu verlassen. Sie flohen vor den Bombenangriffen nach Wormstedt, wo die Familie von der Gönne ansässig war und einen Gasthof sowie eine Brauerei betrieb.

Durch den Verlust der Wohnung war das Leben in Leipzig unerträglich geworden und die Versorgung auf dem Land ungleich günstiger. Nach ihrer Rückkehr nach Leipzig trennten sich die Beiden: Helene zog zu ihrer Tochter Martel nach Dessau und Franz zu seiner Tochter Alice nach Leipzig Lindenau.